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Richtigstellung, und ein paar Sachen zum Thema

Richtigstellung:
Am Montag habe ich geschrieben, der Smart habe als einziges Auto die Marke von 130 g/km CO2 geschafft. Das ist nicht richtig. Richtig ist, dass der Smart als einziges Auto weniger als 100 g/km ausstößt. Die Marke von 130 g/km haben insgesamt 44 Autos geknackt - und zwar nicht nur irgendwelche Elefantenrollschuhe sondern z. B. auch der 1er BMW.

Wir bleiben aber beim Thema.

Gerade lief "Berlin Mitte". Thema: Rauchen und Feinstaub. Ha! Eine Runde aus mehreren Rauchern (darunter Jörg Wontorra), ein Suchtberater, eine aktiv nichtrauchende Event-Tante und Seehofer. Ja, genau - der Verbraucherschutzminister und CSU-Vorsitzende in Lauerstellung. (Mir blieb ein wenig unklar, in welcher Eigenschaft er da war.)

Am besten gefallen hat mir der Suchtberater, der vernünftig und sachlich klar machte, warum das Rauchen im Grunde ein non-issue ist. Wir ziehen uns an einer Belastung hoch, die sicher ernst zu nehmen ist - bis man sie ins Verhältnis zur allgemeinen Luftbelastung setzt. Zitat: "In Los Angeles oder Tokio dürfen Sie praktisch nirgends mehr rauchen. Trotzdem japsen die Menschen nach Luft, weil Autos und Flugzeuge solche Unmengen Dreck in die Luft pusten." Das ist genau das Thema: der einen Belastung kann man ausweichen, indem man Orte meidet, an denen geraucht wird, der anderen eben nicht. Die Politik regelt also wieder einmal das, was mit gesundem Menschenverstand erledigt werden könnte, und lässt die Finger von den Themen, die Arbeitsplätze gefährden könnten.

Passend präsentierte die Moderatorin eine Untersuchung über die Feinstaubbelastung in Diskotheken (!). Einmal mehr - kein Witz! (Leider.) Die Studie stellte fest, dass die Feinstaubbelastung in Diskotheken im Schnitt bei 1000 Mikrogramm/m³ Luft liegt, mit Spitzenwerten bei 4800. (Zum Vergleich: der Grenzwert in der EU liegt bei 50 Mikrogramm/m³.)

Schrecklich, aber: in Diskos geht man (oder frau) doch freiwillig. Und der Feinstaub ist sicher nicht das einzige, und auch nicht das größte Gesundheitsrisiko. Ich denke da an die Lärmbelastung (120 + dB, mehr als ein startendes Düsenflugzeug), oder die billigen Drinks, die dafür sorgen, dass jeden Montag alleine in unserer Lokalzeitung zwei bis drei tödliche Verkehrsunfälle aufgelistet werden. Und da machen wir uns wegen des Risikos "Feinstaub" ins Hemd?

Zum Thema passt auch, dass ja genau heute die Feinstaubverordnung in Kraft getreten ist. Einmal mehr wurde ein Gesetz gemacht, das mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Drei verschiedene Plaketten gibt es, und wie die verteilt werden, ist weitgehend klar. Unklar ist, welche Konsequenzen die Plaketten haben, weil jede Gemeinde ihe eigene Regelung hat.

Unklar ist auch, wieso Benziner (die gar keinen oder nur sehr wenig Feinstaub ausstoßen) überhaupt von der Regelung betroffen sind.

Unklar ist ferner, wieso Pellet-Heizungen (die bereits heute mehr zur Feinstaubbelastung in Städten beitragen als der Straßenverkehr) immer noch steuerlich gefördert werden. Ach ja - sie sind CO2-neutral. Wir drehen uns einfach nur im Kreis, und das gerne.

***

Zum Thema passt auch, was ich gerade in der Zeitung über das Dorf Akrini in Griechenland gelesen habe. Akrini liegt genau in der Mitte zwischen einem riesigen Braunkohletagebau und dem größten Braunkohlekraftwerk Griechenlands. Das Dorf wird umgeben von Abraumhalden aus dem Tagebau und Aschebergen aus dem Kraftwerk. Die Bevölkerung klagt vor dem EU-Gerichtshof darauf, umgesiedelt zu werden.

Sie untermauern diese Klage damit, dass die Feinstaubbelastung in ihrem Dorf im Schnitt bei 75 Mikrogramm/m³ liegt. Hat die Technische Universität von Kozani ermittelt.

Allerdings gibt es Wissenschaftler, die den Wert dieser Studien bezweifeln: "Es hat doch keinen Sinn, die Feinstaubbelastung zu messen." sagt Panayotis Becharakis von der medizinischen Fakultät der Universität Athen. "Wir sollten feststellen, welche Auswirkungen die Feinstaubbelastung auf die menschliche Gesundheit hat."

Ich darf feststellen, dass diesen schrecklichen Mediziner offenbar das Konzept von Grenzwerten nicht erreicht hat. Die EU hat den Grenzwert 50 Mikrogramm/m³ doch hoffentlich nicht aus Jux und Dollerei festgelegt, sondern kann auf Fakten verweisen.

Fakten wie diese: in Akrini machen Herzleiden und Krebs aktuell gemeinsam fast 80% aller Todesfälle aus. Das Krebsrisiko liegt (statistisch) doppelt so hoch wie im übrigen Griechenland. Welchen Beweis braucht die Wissenschaft noch?
1.3.07 23:30


Von globaler Erwärmung, dem Verlust von Maßstäben und nackten Elchen

Die Diskussion um die ach so offensichtlichen Klimaveränderungen ist nun voll entbrannt, und mir scheint, die größte Gefahr für unser Weltklima geht von all der heißen Luft aus, die im Zuge dieser Diskussion erzeugt wird.

Damit man mich nicht falsch versteht: Umweltverschmutzung ist ein Thema, das uns alle angehen muss. Wir haben keinen Platz, wohin wir unseren Müll tragen können, wenn unsere Welt voll davon ist, wir haben keinen Platz, an den wir umziehen können, wenn wir unsere Welt verwüstet haben. Wir sitzen alle im selben Boot und es macht kaum einen Unterschied, ob man weiter unten oder weiter oben sitzt - wenn es absäuft, sind wir alle geliefert.

Das muss ich vorausschicken, weil die folgenden Sätze vielen Umweltbewegten sicher nicht gefallen werden.

Kopfschüttelnd bin ich der Diskussion der letzten Wochen gefolgt, in der es sich um den CO2-Ausstoß unserer Kraftwagen drehte. Es war ja nicht anders zu erwarten: die Autoindustrie, die vor ein paar Jahren zugesichert hatte, ab 2008 Autos in großen Stückzahlen herzustellen, die nicht mehr als 130 g CO2 je Kilometer ausstoßen, hat lieber SUVs und leistungsstarke Sportwagen gebaut. Resultat: es gibt ein einziges Auto, das unter der Marke von 130 g/km bleibt - den aktuellen Smart. Nun ist das Geschrei groß, es wird wieder einmal das altbekannte Arbeitsplatzargument ins Feld geführt, das Ende vom Lied: es wird abgemilderte Grenzwerte geben. Die Auto-Lobby hat sich durchgesetzt.

Statt dessen hat unser Umweltminister Gabriel den ehrenvollen Auftrag erhalten, "Konzepte für emissionsfreundliche Dienstreisen mit Flugzeug oder Auto" zu erarbeiten. Kein Witz - kommt so über den dpa-Ticker. "Emmissionsfreundliche Dienstreisen mit Flugzeug oder Auto" - hallo?

In der Klimaschutzdebatte wird mittlerweile so viel leeres Stroh gedroschen, dass es offenbar keinem mehr auffällt, wie wenig diese Diskussion dazu taugt, die richtigen Denkanstöße zu geben. Wir ziehen uns an der Diskussion um g/km hoch und vergessen dabei völlig, dass auch das umweltfreundlichste Auto erst einmal gebaut werden muss. Niemand hat in der gegenwärtigen Diskussion erwähnt, dass gerade die Herstellung eines Autos klimatechnisch ein Problem ist. (Zumindest habe ich diesen Gedanken nirgends gehört oder gelesen.)

Dabei sollte die Rechnung noch nicht einmal den durchschnittlichen Landtagsabgeordneten überfordern. In einem modernen Mittelklassewagen sind ungefähr 400 kg Stahl verbaut, für deren Erzeugung man (je nach Qualität) zwischen 4 und 10 Tonnen Erz verhütten muss. Kohle und Erz werden dafür im Verhältnis von 1,5 zu 1 eingesetzt (habe ich mal gelesen) - alleine das Verhütten verbraucht also zwischen 6 und 15 Tonnen Kohle. Das klingt nicht so schrecklich viel, aber wenn man sich im vergleich dazu vor Augen hält, dass dieser Mittelklassewagen über eine Laufleistung von (sagen wir mal) 200.000 km etwa 16 Tonnen Benzin oder Diesel verbrennt, dann wird klar, worauf ich hinaus will. Das eine (die 16 Tonnen Benzin) ist ein Problem, das andere (15 Tonnen Kohle) nicht?

Als ob es unserer Atmosphäre darauf ankäme, ob das Kohlendioxid bei der Sicherung von Arbeitsplätzen in der Autoindustrie entstanden ist. (Zumal die Rechnung bei den 400 kg Stahl ja nicht zu Ende ist - Eisenerz wächst unglücklicherweise nicht auf Bäumen oder Wiesen, ebenso wenig wie die Kohle. Und wir haben noch gar nicht über die knappe Tonne an sonstigen Materialien gesprochen, die einen heutigen Mittelklassewagen ausstatten: Kunststoffe, Aluminium, Glas, Gummi, Lacke, Edel- und Halbedelmetalle, und so weiter und so weiter. Man darf getrost davon ausgehen, dass zwei Drittel der Gesamt-CO2-Belastung durch ein Auto bei seiner Herstellung anfallen.)

Nun möchte im Autoland Deutschland niemand diese Diskussion, weshalb sie auch nicht stattfindet. Es ist ja auch nicht gerade staatstragend, ausgerechnet etwas gegen die Wachstums- und Exportindustrie Nummer Eins zu sagen. (Hat eigentlich noch niemand gemerkt, wie viel Potential in Umwelttechnik steckt?) Deshalb wird also genau das Gleiche wieder passieren wie Mitte der Neunziger mit den Katalysatoren: man wird Fahrer älterer Autos dafür bestrafen, dass sie sich (umwelttechnisch gesprochen) vorbildlich verhalten, indem sie ihren Wagen länger fahren. Das hat schon damals hervorragend funktioniert - Zehntausende gut erhaltener (aber kat-loser) Gebrauchtwagen wanderten in die Presse, und die Autoindustrie rieb sich die Hände - Absatz gesichert! Geschichte wiederholt sich eben doch.

Was soll man auch von einer Regierung erwarten, die nach wie vor Miteigentümer des größten Deutschen Automobilherstellers ist?

***

Ein bisschen ist der ganzen Diskussion ja auch die Perspektive abhanden gekommen. Das Weltklima verändere sich immer mehr, zum immer Schlechteren. Als Beweis wird - je nach Wetterlage - der zu warme oder zu kalte Winter, der zu trockene oder zu feuchte Sommer angeführt, die schmelzenden Gletscher oder die wachsende Eiskappe der Antarktis. Sicher ist dabei eigentlich nur, dass nichts sicher ist. Trotzdem behaupten Experten, genau sagen zu können, ab wann die Entwicklung der Erde zur Desaster Area besiegelt ist.

Was also wird am 12. Februar 2020 (oder 2022, je nachdem, welchem Experten man glaubt) geschehen? Wird die Erde stehenbleiben? Wird plötzlich alles Wasser verdunsten? Werden wir morgens aufstehen und ungläubig in eine Sand- oder Eiswüste schauen? Wird die Nordsee plötzlich an die Ausläufer des Harzes schwappen? Eher nicht. Die Veränderungen werden schleichend sein und die Menschheit wird lernen, damit zu leben. Der Mensch ist das anpassungsfähigste Lebewesen auf diesem Planeten, und wenn er sich nicht anpassen kann, dann wird er eben seine Rechnung von der Evolution präsentiert bekommen.

Alle Welt hat bei uns darüber gejammert, wie warm dieser Winter gewesen sei, wie wenig Schnee er gehabt habe - Arbeitsplätze in der Tourismusbranche könnten verloren gehen. Dabei werden doch ein oder zwei Dinge vergessen, die einfach wieder einmal erwähnt gehören, um die rechte Perspektive zurück zu gewinnen.

Erstens: warme Winter hat es zu allen Zeiten gegeben - es gibt eine ganze Reihe Bauernregeln, die darauf Bezug nehmen. Und ich sehe vor mir meinen alten Reader's Digest Weltatlas aus dem Jahr 1960, in dem es zu "Gemäßigten Klimazonen" heißt, sie zeichneten sich durch "kühle, feuchte Sommer und milde Winter" aus. Na also - "milde Winter" sind völlig normal.

Zweitens: der Winter war ja nicht überall so mild. In Skandinavien war es kalt wie lange nicht, in Nordamerika - bis hinunter nach Viginia, auf einer Höhe mit Marokko! - gab es die heftigsten Schneestürme seit vielen Jahren.

Drittens: letztes Jahr hatte der Winter so viel Schnee, dass Sporthallen eingestürzt sind. Dann wollte der Winter auch gar kein Ende mehr nehmen - es fror und schneite noch Anfang April. Dafür war dann recht schnell Sommer - und was für einer! Beides verkaufte man uns wiederum als Zeichen der globalen Erwärmung. Ich weiß nicht - seriös geht irgendwie anders.

Es ist ja auch entlarvend, wer die Klimadiskussion jetzt alles benutzt, um sein eigenes Süppchen zu kochen. Atomkraft gilt plötzlich als Garant für umweltfreundliche Energieerzeugung. Als ob man Uran nicht aus dem Boden holen und anreichern müsste, und als ob es nie ein Harrisburg oder ein Tschernobyl gegeben hätte. Und als ob die Endlagerfrage gelöst sei - noch mal: wir haben kein "runter", wo wir den Müll hinschaffen können...

Fazit: die Klimadiskussion ist notwendig, aber sie wird momentan zutiefst unseriös geführt, und mit der falschen Zielrichtung. Es mag tausend gute Gründe geben, sich einen neuen Wagen zuzulegen - die Umwelt ist keiner davon.

***
Die Natur hilft sich eh' schon selbst, was die globale Erwärmung angeht. Im Arcor Newsticker las ich gerade, dass den Elchen in Schweden die Haare ausgehen. Ursache scheint ein Schmarotzer zu sein, eine Stechfliege, die die Elche ihren Pelz kostet. Für den Sommer (der auch in Schweden recht warm sein kann) sind die Elche damit bestens gerüstet - leider kommt diese Entwicklung etwas zeitig im Jahr, so dass die Elche jetzt nackt und frierend auf diversen Lichtungen herumstehen.
26.2.07 21:28


Von männlichen Würmern und mutigen Frauen

Viel ist geschrieben worden über den Kampf des Stoiber Edmund um Ämter und Würden. Beides blieb am Ende auf der Strecke und es ist nicht absehbar, dass bald Ruhe einkehrt in die CSU. Jenseits aller parteilichen Häme erblicken wir hier eine bedenkliche Entwicklung, die sich so oder so ähnlich in jeder politischen Organisation vollzieht: mit dem Demokratieverständnis innerhalb der Parteien ist es nicht mehr sehr weit her.

Rekapitulieren wir: die Mehrheit an der Basis will Ede nicht mehr, und in der Bevölkerung ist er eh' umstritten. Die CSU rutscht in Umfragen unter 50% - Panik bricht aus. Die Landtagsfraktion aber (und nur die tagte ja in Kreuth) versichert Ede ihrer ungebrochenen Treue. Jedenfalls solange er da blieb. Kaum hatte er sich zum Gehen gewandt, gingen die Abgeordneten noch einmal in sich. Mit Ede gehe es nicht, jedenfalls wäre ein Ergebnis wie 2004 nicht mehr zu erwarten. Da das Hemd näher als der Rock sitzt, deinvestiert man nun bei Stoiber und setzt auf Beckstein und ... ja, wen denn nun eigentlich?

Die Landtagsfraktion möchte den Huber gerne, aber der ist in der Bevölkerung nicht übermäßig hoch angesehen. Beckstein kann auch mit ihm, und das mit dem Volk lässt sich geradebiegen - den Ede mochten sie seinerzeit auch nicht alle.

Nun aber kommt der Seehuber aus Berlin. Richtig weist er darauf hin, dass den Huber außerhalb von Bayern keiner kennt (eigentlich kennt ihn hier auch kaum jemand) und dass der bundespolitische Anspruch der CSU jemanden mit bundespolitischer Erfahrung als Parteivorsitzenden erfordert. Einen, der zur Abwechslung mal wieder keine Berührungsängste mit der überbayrischen Politik hat. (Der Letzte dieses Schlages, seien wir ehrlich, war Strauß.)

Für Seehuber spricht auch, dass er die Basis hinter sich zu haben scheint - wie Beckstein ist auch er eher der Typ des Volkshelden, während dem Huber der Funktionär irgendwie überall durchschimmert.

Gegen beide spricht, dass keiner den Mut hatte, dem Ede ins Gesicht zu sagen, dass seine Zeit abgelaufen war. Diesen Mut brachte keiner der Landtagsabgeordneten in Kreuth auf, und auch davor nicht. Es brauchte eine Landrätin aus Fürth, um dem Unbehagen an der Basis eine deutlich hörbare Stimme zu geben.

Das lässt zwei Fragen offen: erstens sollten wir Wähler uns gut überlegen, ob wir weiterhin Abgeordnete wollen, die in bester Hinterbänklermanier alles vermeiden um nur ja kein bisschen aus der Deckung zu müssen. Zweitens, wo nehmen diese Würmer das Recht her, ihrer Parteibasis einen neuen Vorsitzenden zu diktieren?

Beckstein will jetzt Ruhe im Schiff und so legen er und der Rest des Huber-Lagers (das Partei-Establishment also) Seehuber nahe, es nicht auf eine "Kampfkanditur" anzulegen. Herrgottnochmal - es wird vielleicht endlich mal wieder eine Möglichkeit geben, zwischen zwei Kandidaten zu entscheiden. Was als beste demokratische Praxis geübt gehört, gerät in der Diskution innerhalb der CSU zum drohenden Untergang des Abendlandes. Sie haben es wirklich weit gebracht in der CSU, die Würmer.

Der Vorschlag, die Basis direkt zu befragen, steht im Raum. Vielleicht sollte jemand Frau Pauli fragen, ob sie nicht noch einmal vortreten möchte. Sie kennt sich schließlich noch am besten aus mit den Schmerzen, die ein vorhandenes Rückgrat verursachen kann.
18.1.07 11:06


Eine Fußnote zur Logik von Aufsicht und Verantwortung

Von der Öffentlichkeit abseits des Börsenparketts und der Teppichetagen DAX-notierter Unternehmen weitgehend unbeachtet vollzieht sich gegenwärtig eine stille Diskussion innerhalb der EU-Kommission, an deren Ende wohl ein Gesetzesvorschlag stehen wird, vor dessen Konsequenzen nicht deutlich genug gewarnt werden kann.

Es geht im Kern darum, die Haftung von Prüfungsgesellschaften für die Konsequenzen mangelhafter Abschlussprüfungen zu beschränken. Als Grund wird angeführt, man wolle vermeiden, namhafte Prüfungsunternehmen in den Ruin zu treiben, wenn sie von ihren bösen Klienten hinters Licht geführt werden und einen Abschluss testieren, der sich später in Rauch auflöst. Dies diene der Sicherung des Wettbewerbs. Als Beispiel für so einen Ruin wird ausgerechnet Arthur Anderson angeführt, die Prüfungsgesellschaft, die 2002 im Zuge des Enron-Skandals in Flammen unterging.

Dies ist ein ausgesprochen schlechtes Beispiel. Zur Erinnerung: Prüfer von Anderson hatten mit der Geschäftsführung von Enron - die sie eigentlich prüfen sollten - gemeinsame Sache gemacht. Anderson-Mitarbeiter waren sogar daran beteiligt, verräterische Dokumente durch Reisswölfe zu jagen. Und so vollständig war der Anderson-Ruin auch nicht: in Deutschland jedenfalls bekamen alle Anderson Partner ihre Einlage ausgezahlt - meines Wissens in voller Höhe.

Prüfungsunternehmen haben die Aufgabe, die Jahresabschlüsse von Kapitalgesellschaften zu prüfen. Nach dem Ende von Anderson gibt es noch vier große und eine ganze Reihe kleinerer Prüfungsgesellschaften. Der Gesetzgeber schreibt die Prüfung der Jahresabschlüsse durch unabhängige Auditoren vor, weshalb die Prüfungsgesellschaften alles tun, um nur jeden noch so kleinen Anschein von Interessensverflechtung auszuschließen.

Nun arbeiten auch in Prüfungsgesellschaften Menschen. Menschen sind träge und meiden übermäßige Anstrengungen. Die meisten jedenfalls. Deshalb muss nach der Motivation gefragt werden, die Prüfungsgesellschaften umtreibt, wenn sie solche Anstrengungen auf sich nehmen wie eine jährliche Zertifikation jedes einzelnen Mitarbeiters - einschließlich des Büroboten, der Empfangsdame und des Hausmeisters - um ihre Unabhängigkeit zu sichern. Die Antwort: die Folgen, wenn sie es nicht täten und man ihnen einen Verstoß gegen das Unabhängigkeitsgebot nachweist, wären zu schrecklich.

Man stelle sich vor: die Gesellschaft, die Daimler testiert, macht einen Fehler und es stellt sich heraus, dass einer ihrer Partner (auch wenn er mit dem Abschluss bei Daimler nicht das Geringste zu tun hatte) Daimler-Aktien besitzt. Als internationales Unternehmen kann man Daimler weltweit vor Gericht zerren, und selbst wenn es nicht gelingt, sich die Kursverluste "vom Daimler" ersetzen zu lassen, dann könnte man doch immer noch das Unternehmen, das die Bilanz aus dem letzten Börsenprospekt testiert hat, vor den Kadi zerren. Idealerweise in den USA, wo die Schadenersatzsummen schnell ruinös werden können, selbst für einen der ganz Großen.

Dabei wird dann nicht etwa der eine Partner verklagt, dem Verstrickung in die Daimler-Interessen nachgesagt wird (das reicht ja schon - es muss ja nicht einmal bewiesen werden, dass er den Abschluss beeinflusst hat.) Nein - die Klage richtet sich gegen das gesamte Unternehmen. Da ist ja auch mehr zu holen. Und heißt Partnerschaft nicht "Einer für Alle - Alle für Einen"?

Diese Aussicht des vollkommenen Unterganges ist es, die Prüfungsunternehmen bei der Stange hält. Dieses Risiko ist es, das ihnen wenigstens einen Anschein von moralischer Rechtfertigung für die absurd hohen Testatsgebühren gibt (die bei einem BlueChip durchaus den Haushalt einer wohlhabenden Kleinstadt tragen würden.) Testate sind eine Sinekure, denn, wie gesagt, der Staat schreibt sie vor und der Markt namhafter Prüfungsgesellschaften ist doch sehr übersichtlich. Die Raten sind mehr oder weniger überall gleich - Wettbewerb und die mit ihm einhergehenden großen Unterschiede finden in einem solchen geregelten Markt kaum statt.

Deshalb bin ich der Meinung, Prüfungsfirmen sollten auch weiterhin ohne Obergrenze für vermurkste Testate haften müssen. Das Argument, den Wettbewerb erhalten zu wollen, sticht in einem Oligopolmarkt nicht wirklich, in dem niemand Wettbewerb will und wo er auch keinem etwas nützt. Und ein Prüfer, der sich über den Tisch ziehen lässt, ist ein schlechter Prüfer, um den es sowieso nicht schade ist. (Die großen Vier investieren Jahr für Jahr zweistellige Millionenbeträge in die Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter. Neue Mitarbeiter lässt man auch nicht alleine loslaufen, sondern sie wachsen in Teams heran, in denen sie Zeit haben, ein Auge für Ungereimtheiten zu entwickeln.)

Last not least: Investoren - das sind die, denen Sie und ich unser Geld anvertrauen, auf dass es sich mehre - Investoren haben ein Anrecht darauf, ordentliche Bilanzen vorgelegt zu bekommen. Wenn man das erreichen will, sollte man den Prüfern mehr Rechte einräumen, mehr Möglichkeiten, ihren Kunden auf die Finger zu sehen, aber auch mehr Pflichten für ein ordentliches Testat.
25.1.07 15:31


Von Demographen und Demoskopen

Gestern Abend lief der dritte und letzte Teil von "2030 - Aufstand der Alten", dem auf durchaus soliden demographischen Fakten basierten Geriatrie-Krimi um einen unbeugsamen Alten namens Sven Dahrow, dessen Spuren folgend eine Reporterin schließlich die Bundesregierung stürzt. Die hatte sich die "M-Lösung" einfallen lassen, mit der der Minimalbetrag, um einen (alten) Menschen gerade noch so am Leben zu erhalten, zur Einheitsrente gemacht wurde, um den Steuerzahler zu entlasten.

Auch wenn das ganze Setup am Ende etwas plump rüberkam und deutliche Anleihen bei dem (sehr guten) Stück "Die Wannseekonferenz" nahm, die Aussage bleibt gültig: die demographische Katastrophe ist längst Realität, auch wenn sie von den Politikern (die ja in ihrer Altersvorsorge nicht betroffen sind) hartnäckig verdrängt wird.

So nimmt es denn auch nicht Wunder, dass einer Umfrage zufolge 91% (!!!!!) aller Bundesbürger nicht glauben, dass ihre Rente auch weiterhin gesichert sein wird. Immerhin erleben wir gerade das vierte Jahr in Folge, in dem die Renten nicht angepasst werden, was für die Rentner unterm Strich jenen Einkommensverlust bedeutet, den die Politik mit Tricksereien am statistischen Warenkorb für die Erwerbstätigen wegleugnet.

Man stelle sich vor: 91% aller Menschen (also praktisch die gesamte Bevölkerung!) geht davon aus, am Ende ihres Erwerbslebens in die Röhre zu schauen, und als Konsequenz unternehmen sie ... nichts. Nichts! Ist das nun typisch Deutsch? Ist das nicht geradezu eine Ermunterung für die Politik, die Alten weiter so zu behandeln, wie es sich abzeichnet und wie es (nur wenig übertrieben) in "2030" dargestellt wurde?

Ich frage mich, was noch geschehen muss, bevor die Älteren (und nicht nur die) auf die Barrikaden gehen. Muss wirklich erst ein Gesetz kommen, mit dem das "sozialverträgliche Frühableben" geregelt wird? Muss wirklich erst ein Gesetz kommen, das ältere Menschen systematisch von Leistungen der Krankenkassen ausschließt? Ich denke da nicht nur an "Hüftgelenke für 80-Jährige", die sicher schon bald den Weg des Zahnersatzes gehen werden, den sich alte Menschen schon lange nicht mehr leisten können. Dialyse? Insulin? Behandlung von Depressionen? Wozu, bitte?

Das wäre doch mal eine Umfrage, die wir uns antun sollten: wo liegt für den Deutschen an und für sich die Schmerzgrenze?
17.1.07 10:26


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