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Von Innerer Führung und der Verantwortung für die Vermittlung gesellschaftlicher Werte

Dem Arcor-Newsticker entnehme ich dieses:
"Offizieranwärter wegen Entgleisung bei Rekruten-Ausbildung entlassen
Berlin (dpa) - Die Bundeswehr hat den Offizieranwärter, der bei einer Rekruten-Ausbildung Afroamerikaner zum Feindbild gemacht hat, fristlos entlassen. Das Dienstverhältnis des Anfang 20-Jährigen wurde aufgelöst, teilte das Verteidigungsministerium in Berlin mit. Der Mann verliert seinen Dienstgrad und Anspruch auf Dienstbezüge. Der Fahnenjunker hatte im Juli 2006 in der Feldwebel-Schmid- Kaserne im schleswig-holsteinischen Rendsburg einem Rekruten ein fiktives «Feuern» mit dem Maschinengewehr auf Afroamerikaner im New Yorker Stadtteil Bronx befohlen. Ein weiterer Ausbilder filmte die Szene.

Die Staatsanwaltschaft Kiel leitete inzwischen ein Vorprüfungsverfahren ein. Untersucht wird der mögliche Tatbestand der Volksverhetzung. Der Vorgang hatte in den USA Empörung ausgelöst. Der Bürgermeister des New Yorker Stadtteils Bronx, Adolfo Carrion, forderte von Deutschland eine Entschuldigung."

Und bei T-online ist zu lesen:
"Bei der Suche nach den Ursachen für das Fehlverhalten eines Offiziersanwärters, der bei einer Rekruten-Ausbildung Afroamerikaner aus der New Yorker Bronx zum Feindbild gemacht hat, benennt der Bundeswehrverband Mängel in der Offiziersausbildung. "Wir müssen uns fragen, ob wir unseren Soldaten genügend bewusst machen, für welche Werte sie stehen", sagte der Verbandsvorsitzende, Oberst Bernhard Gertz, der Zeitung 'Die Welt'.
'Wertevermittlung zu kurz gekommen'
'Der Fahnenjunker in Rendsburg hat offensichtlich nicht gewusst, dass der Respekt vor der Menschenwürde und die Achtung der Grund- und Menschenrechte für den Bundeswehrsoldaten oberstes Gebot sind.' Vergleichbare Defizite habe auch der Generalinspekteur bei der Totenschädel-Affäre aufgedeckt. In Afghanistan hatten sich deutsche Soldaten mit Totenschädeln als Trophäen fotografieren lassen. In den vergangenen Jahren sei auch in der Ausbildung viel über die Einsatzorientierung der Bundeswehr gesprochen worden, so Gertz. 'Darüber ist offenbar die Wertevermittlung zu kurz gekommen.'"

Zunächst einmal: es ist gut und richtig, dass der Mann aus dem Dienst entfernt wurde. Einer, der mit solch schwachen Sprüchen "motivieren" will, hat bei der Truppe nichts verloren. Allerdings bleiben Fragen offen.

Erstens: der Vorfall hat sich bereits im Juli zugetragen und wurde von einem zweiten Ausbilder gefilmt. Wieso muss erst ein Dreivierteljahr ins Land gehen, bevor die Angelegenheit überhaupt ans Licht kommt? Es sagt viel (aber wenig Gutes) über den inneren Zustand der Armee, wenn sich offenbar niemand traut, solches Verhalten zu melden. Gerade nach der Totenschädel-Affäre sollte doch eigentlich jedem klar sein, wie leicht das Ansehen der Truppe Schaden nehmen kann, wenn gegen solchen Unterschleif nicht eingeschritten wird.

Zweitens: es muss uns alle betroffen machen, wenn Offiziernachwuchs der Bundeswehr mit solch dumpfem Weltbild daherkommt. Voraussetzung zur Zulassung zur Laufbahn als Truppenoffizier ist das Abitur. Wenn jetzt der Bundeswehrverband der Bundeswehr vorhält, es gelinge ihr nicht, Werte wie Menschenwürde und Achtung der Grund- und Menschenrechte zu vermitteln, dann wird das wohl stimmen. Allerdings möchte ich an dieser Stelle die Frage aufwerfen, ob es denn zur Kernkompetenz der Bundeswehr gehört, diese Werte zu vermitteln. Sollte nicht eigentlich erwartet werden müssen, dass junge Leute diese Werte im Elternhaus, oder spätestens in der Schule vermittelt bekommen? Abiturienten zumal, deren Eltern sich doch sicher etwas davon versprechen, dass ihr Kind einen höheren Schulabschluss macht.

Offenbar läuft einiges schief in unserem Land. Wir sehen auf eine Entwicklung zurück, die spätestens in den Achtzigerjahren begann, als das Leben im Land immer teurer wurde und es sich immer weniger Alleinverdiener leisten konnten. Kinder werden irgendwo abgestellt - Kindergärten und Schulen verkommen so zu Verwahranstalten, jedenfalls bis zum Nachmittagsprogramm, das dann von RTL, SAT1 und Konsorten gestaltet wird.

Es passt alles zusammen: Kinderbetreuung findet mangels öffentlicher Gelder nicht statt, die Diskussion um die richtige Schulform scheitert an ideologischer Verblendung aller Beteiligten, und die 750.000 Krippenplätze glaube ich erst, wenn sie geschaffen sind. Ein Bischof Mixa darf einen Generalangriff auf Frauen reiten und wird dafür nicht gesenkelt. Die Spaßgesellschaft verdeutlicht allen, die Kinder großziehen, wie dämlich solches Tun ist, das schließlich Unmengen Freizeit verbrennt, die doch viel sinnvoller mit Spaß haben erfüllt wird. So macht das Kinderhaben und Kindererziehen richtig Freude.

Was Wunder also, dass immer mehr Kinder entweder vom Fernseher erzogen werden oder sich in Gruppen organisieren, in denen sie leicht an falsche Freunde geraten können. Und die Erwachsenen geben auch kein gutes Beispiel: mehr, mehr, noch mehr lautet das Motto. Klar - mit weniger gäbe es ja auch kein Wachstum mehr. Kein Wachstum - das wäre nationaler Notstand, bedeutend schlimmer als die ganze globale Erwärmung. Aber dieses mehr, mehr, mehr kostet Geld, viel Geld, und so müssen eben alle mithelfen, um das Geld zu verdienen.

Nachhaltig leben? Lass mich doch mit dem Quatsch in Ruhe - schließlich muss ich meine Rechnungen bezahlen. Scheiss auf die Kinder.

Wir sollten uns drauf einstellen, dass Rendsburg kein Einzelfall bleibt, und sich ganz bestimmt nicht nur auf die Bundeswehr beschränkt. Grundwerte kann man nicht essen oder trinken, man muss sie (vor-)leben. Das fällt vielen schwer, nicht nur jungen Leuten. (Gell, Herr Schäuble?)

+++

Ach ja - ich wollte mich ja noch beim Bürgermeister der Bronx entschuldigen. Politisch höchst unkorrekt tue ich das nur für mich selbst, für ganz Deutschland mag ich nun wirklich nicht reden. Also, Herr Carrion: ohne Frage ist die Bronx ein ganz bezaubernder Stadtteil von New York, und das mit den Negern wird auch nicht mehr so schlimm sein.

Ich ziehe deswegen aber trotzdem nicht um.
17.4.07 21:15
 


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