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Von unsinniger Suchtprävention und anderen Merkwürdigkeiten aus dem Politikalltag

In Großbritannien wurde heute eine ältere Dame zu 250 Stunden gemeinnütziger Arbeit und umgerechnet rund 1500 Euro Geldstrafe verurteilt, weil sie Cannabis angebaut und geerntet hatte - freilich nur für ihren eigenen Bedarf. Die 68-Jährige sagte, sie benutze Cannabis, um ihre Depressionen und Schmerzen zu bekämpfen, unter denen sie seit dem Tod ihres Sohnes und zwei Autounfällen leide. Mit etwas Cannabis in einer Tasse heißer Schokolade habe sie fünf schmerzfreie Stunden, sagte die Großmutter.

Lassen wir mal weg, dass in manch schlichterem Gemüt unwillkürlich das Bild eines alten Kräuterweibleins emporsteigt, das vermutlich auch in der Freinacht zum Brocken fliegt um dort nackt zu tanzen. Dann bleibt nämlich ein überaus ernster Hintergrund.

Cannabis - oder Haschisch, Marihuana oder "Gras" - ist ein anderer Name für eine der ältesten und vielseitigsten Kulturpflanzen der Menschheit - Hanf. Seit tausenden von Jahren wird Hanf genutzt - man macht Seile daraus, Stoffe, Papier. Und man kann daraus ein hervorragendes Schmerzmittel herstellen, praktisch frei von Nebenwirkungen.

Oder besser gesagt: man könnte, denn Hanf hat sich seit den Fünfzigerjahren des letzten Jahrhunderts von einer Kulturpflanze zu einem kulturellen Problem entwickelt. Es nimmt nicht nur körperliche, sondern auch seelische Schmerzen, und das passt den selbsternannten Sittenwächtern in unserer Gesellschaft überhaupt nicht in den Kram.

"Suchtbefördernd" sei Hanf und schon deswegen des Teufels. Merkwürdig nur, dass die gleichen Kreise kein Problem mit Nikotin und Alkohol zu haben scheinen, die mindestens ebenso suchtgefährdend sind wie Hanf.

Vor einigen Tagen habe ich im Herald Tribune den Artikel eines Arztes gelesen, der eine Lanze für den Hanf brach. "Würde Marihuana jetzt erst als Heilpflanze entdeckt", so schrieb er, "die chemische Industrie würde Milliarden investieren, um das Potential dieser Pflanze auszuloten, vermutlich gefördert vom Staat."

Warum also geschieht das nicht?

Nun - da geht es vor allem mal um Geld, viel Geld. Der weltweite Schmerzmittelmarkt ist aktuell rund 30 Milliarden Euro schwer, Tendenz steigend. Kein Pharma-Lobbyist kann es hinnehmen, dass dieser Markt plötzlich zusammenbricht, weil Menschen auf nachwachsende Schmerzmittel zugreifen können. Also wird dafür gesorgt, dass das Thema "Legalisierung" am besten gar nicht erst auf die Tagesordnung kommt, und wenn doch, dann zum Beispiel im Kontext von unter Rauschgifteinfluss verursachten Autounfällen. (Dabei machen solche Unfälle einen kaum messbaren Prozentsatz der Unfälle aus, die unter Alkoholeinfluss passieren. Freilich kommt niemand auf den Gedanken, deswegen Bier oder Schnaps zu verbieten. Das hatten wir nämlich schon mal, und profitiert hat davon nur die Mafia.)

Ich will nun nicht so weit gehen und sagen, dass das internationale Verbrechen die Politik dafür schmiert, dass Haschisch auch weiterhin verboten bleibt, und so die Schmuggelprofite hoch bleiben. Ersetzen wir aber "internationales Verbrechen" durch "Pharmaindustrie", dann wäre das mein Statement des Tages.

Einstweilen leiden Kranke weiterhin unnötige Schmerzen oder bekommen Schmerzmittel, deren Nebenwirkungen wiederum Medikamente erfordern, die wiederum Nebenwirkungen haben, die ihrerseits wieder ... Merkt Ihr, wie viel Geld da drin steckt?

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Gestern im "arcor"-Ticker:
Berlin (dpa) - Die von Sachsens Innenminister Albrecht Buttolo angeregte öffentliche Sexualstraftäter-Datei ist auf breite und teils scharfe Kritik gestoßen. Die Gewerkschaft der Polizei lehnte ein öffentliches «An-den-Pranger-Stellen» ab. Der Vorschlag stelle einen «eklatanten Verstoß gegen die Verfassung» dar, sagte der Bundesvorsitzende Konrad Freiberg. Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach sagte, man habe ja einmal den Pranger aus guten Gründen abgeschafft. Deutliche Kritik kam auch aus Niedersachsen.

Hallo? Wie bitte?

Wir reden hier über Leute, die rechtskräftig verurteilt sind. Ich für mein Teil möchte gerne wissen, wenn ein Kinderschänder in meine Nachbarschaft zieht. Ich werde irgendwann Enkelkinder haben, die ich mir dann von Zeit zu Zeit von meinen Töchtern ausleihe. Ich will kein unnötiges Risiko für diese Kinder, und ich verlange, dass mir der Staat dabei hilft, dieses Risiko zu minimieren.

Leider aber ist das Gesetz immer auf Seiten der Kriminellen, selbst wenn sie bereits verurteilt sind.

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Die Diskussion um Krippenplätze ist mittlerweile in Absurdistan angekommen, und ich reibe mir immer wieder verdutzt die Augen, wer da welche Argumente auspackt, wer mit wem koaliert und wer warum wogegen ist.

Also: die Familienministerin (selbst Mutter von 6 Kindern) ist dafür und möchte 750.000 neue Krippenplätze schaffen. Münte ist dagegen, angeblich, weil die Finanzierung dafür nicht steht. An seiner Seite der gute Katholik Mixa (komme ich gleich noch mal drauf), die zürnenden CDU-Granden, die sich von Frau von der Leyhen überfahren fühlen, und natürlich den Finanzminister.

Für Frau von der Leyhen sind nur die meisten Frauen (übrigens war heute "Tag der Frau") und ein paar unverbesserliche Softis. Keine guten Aussichten. Wahlen sind ja erst in ein paar Jahren...

Wenn man nicht mehr weiter weiß, bildet man 'nen Arbeitskreis. Diesem Leitgedanken des deutschen Parlamentarismus folgend, will man nun erst mal ausloten, wie viele Krippenplätze gebraucht werden. Das Gute daran: die Kleinen werden Abitur gemacht haben, bevor die Krippenplätze zur Verfügung stehen.

Sie haben Ihr Ziel erreicht...

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Die katholische Kirche, immer wieder gerne genommen, wenn es um Antworten auf brennende Fragen der Gegenwart geht, engagiert sich ganz besonders intensiv in der Ablehnung weiterer Krippenplätze. Ich wünsche mir, sie würde genau so intensiv dafür eintreten, dass nicht beide Eltern arbeiten müssen, nur um sich das Leben leisten zu können.

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Wer einmal sehen möchte, wie Familienförderung funktioniert, der soll sich mal in Schweden umschauen. Dort wimmelt es von Kinderwagen, geschoben von Männlein und Weiblein. Leisten können sich das die Familien, weil der Staat sie großzügig unterstützt. Schweden integriert auch seine AusländerInnen und macht sie zu SchwedInnen. Schweden hat Ganztagsschulen.

Schweden hat kein Demograhieproblem.
9.3.07 00:35
 


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