tomcat1960
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Richtigstellung, und ein paar Sachen zum Thema

Richtigstellung:
Am Montag habe ich geschrieben, der Smart habe als einziges Auto die Marke von 130 g/km CO2 geschafft. Das ist nicht richtig. Richtig ist, dass der Smart als einziges Auto weniger als 100 g/km ausstößt. Die Marke von 130 g/km haben insgesamt 44 Autos geknackt - und zwar nicht nur irgendwelche Elefantenrollschuhe sondern z. B. auch der 1er BMW.

Wir bleiben aber beim Thema.

Gerade lief "Berlin Mitte". Thema: Rauchen und Feinstaub. Ha! Eine Runde aus mehreren Rauchern (darunter Jörg Wontorra), ein Suchtberater, eine aktiv nichtrauchende Event-Tante und Seehofer. Ja, genau - der Verbraucherschutzminister und CSU-Vorsitzende in Lauerstellung. (Mir blieb ein wenig unklar, in welcher Eigenschaft er da war.)

Am besten gefallen hat mir der Suchtberater, der vernünftig und sachlich klar machte, warum das Rauchen im Grunde ein non-issue ist. Wir ziehen uns an einer Belastung hoch, die sicher ernst zu nehmen ist - bis man sie ins Verhältnis zur allgemeinen Luftbelastung setzt. Zitat: "In Los Angeles oder Tokio dürfen Sie praktisch nirgends mehr rauchen. Trotzdem japsen die Menschen nach Luft, weil Autos und Flugzeuge solche Unmengen Dreck in die Luft pusten." Das ist genau das Thema: der einen Belastung kann man ausweichen, indem man Orte meidet, an denen geraucht wird, der anderen eben nicht. Die Politik regelt also wieder einmal das, was mit gesundem Menschenverstand erledigt werden könnte, und lässt die Finger von den Themen, die Arbeitsplätze gefährden könnten.

Passend präsentierte die Moderatorin eine Untersuchung über die Feinstaubbelastung in Diskotheken (!). Einmal mehr - kein Witz! (Leider.) Die Studie stellte fest, dass die Feinstaubbelastung in Diskotheken im Schnitt bei 1000 Mikrogramm/m³ Luft liegt, mit Spitzenwerten bei 4800. (Zum Vergleich: der Grenzwert in der EU liegt bei 50 Mikrogramm/m³.)

Schrecklich, aber: in Diskos geht man (oder frau) doch freiwillig. Und der Feinstaub ist sicher nicht das einzige, und auch nicht das größte Gesundheitsrisiko. Ich denke da an die Lärmbelastung (120 + dB, mehr als ein startendes Düsenflugzeug), oder die billigen Drinks, die dafür sorgen, dass jeden Montag alleine in unserer Lokalzeitung zwei bis drei tödliche Verkehrsunfälle aufgelistet werden. Und da machen wir uns wegen des Risikos "Feinstaub" ins Hemd?

Zum Thema passt auch, dass ja genau heute die Feinstaubverordnung in Kraft getreten ist. Einmal mehr wurde ein Gesetz gemacht, das mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Drei verschiedene Plaketten gibt es, und wie die verteilt werden, ist weitgehend klar. Unklar ist, welche Konsequenzen die Plaketten haben, weil jede Gemeinde ihe eigene Regelung hat.

Unklar ist auch, wieso Benziner (die gar keinen oder nur sehr wenig Feinstaub ausstoßen) überhaupt von der Regelung betroffen sind.

Unklar ist ferner, wieso Pellet-Heizungen (die bereits heute mehr zur Feinstaubbelastung in Städten beitragen als der Straßenverkehr) immer noch steuerlich gefördert werden. Ach ja - sie sind CO2-neutral. Wir drehen uns einfach nur im Kreis, und das gerne.

***

Zum Thema passt auch, was ich gerade in der Zeitung über das Dorf Akrini in Griechenland gelesen habe. Akrini liegt genau in der Mitte zwischen einem riesigen Braunkohletagebau und dem größten Braunkohlekraftwerk Griechenlands. Das Dorf wird umgeben von Abraumhalden aus dem Tagebau und Aschebergen aus dem Kraftwerk. Die Bevölkerung klagt vor dem EU-Gerichtshof darauf, umgesiedelt zu werden.

Sie untermauern diese Klage damit, dass die Feinstaubbelastung in ihrem Dorf im Schnitt bei 75 Mikrogramm/m³ liegt. Hat die Technische Universität von Kozani ermittelt.

Allerdings gibt es Wissenschaftler, die den Wert dieser Studien bezweifeln: "Es hat doch keinen Sinn, die Feinstaubbelastung zu messen." sagt Panayotis Becharakis von der medizinischen Fakultät der Universität Athen. "Wir sollten feststellen, welche Auswirkungen die Feinstaubbelastung auf die menschliche Gesundheit hat."

Ich darf feststellen, dass diesen schrecklichen Mediziner offenbar das Konzept von Grenzwerten nicht erreicht hat. Die EU hat den Grenzwert 50 Mikrogramm/m³ doch hoffentlich nicht aus Jux und Dollerei festgelegt, sondern kann auf Fakten verweisen.

Fakten wie diese: in Akrini machen Herzleiden und Krebs aktuell gemeinsam fast 80% aller Todesfälle aus. Das Krebsrisiko liegt (statistisch) doppelt so hoch wie im übrigen Griechenland. Welchen Beweis braucht die Wissenschaft noch?
1.3.07 23:30


Von vegetarischen Carnivoren und andere Neuigkeiten von unseren amerikanischen Freunden

Ein Kollege erzählte mir gerade von einem Artikel, den er in einer Beilage zur englischen Sunday Times gelesen habe. Danach bringen Lehrer im US-amerikanischen Mittelwesten den Grundschülern die Schöpfungslehre auf ihre eigene Weise näher. Der Mensch, so ihre Aussage, hätte Tyrannosaurus gejagt, und Tyrannosaurus sei, entgegen allem, was uns die Wissenschaft lehrt, ein Pflanzenfresser gewesen.

Man müsste mal googeln, was man so zu "Creationism Tyrannosaurus" findet. Das Schlimme an dieser Geschichte ist, dass sie wahr sein dürfte.

Nach vierhundert Jahren Geschichte der Aufklärung erklärte uns Charles Darwin endlich anhand eines nachvollziehbaren Modells, wie die Evolution funktioniert. Jene, für die der Mensch die "Krone der Schöpfung" darstellt, konnten natürlich nicht akzeptieren, dass wir vom Affen abstammen, und viel mehr mit Schimpansen gemeinsam haben als mit irgendeinem göttlichen Wesen. (George W. Bush zum Beispiel dürfte auf dem Planeten der Affen kaum auffallen.) Gleichwohl trugen die Wissenschaftler, die der Evolutionstheorie folgten, Beweis auf Beweis für die Richtigkeit ihrer Hypothese zusammen - ganze Artenstammbäume lassen sich mit Fossilien belegen. So konnte es nicht ausbleiben, dass auf dem Höhepunkt der Aufklärung - um die Mitte des letzten Jahrhunderts - die Evolutionstheorie als herrschende Lehre anerkannt war.

Dann kam der Rückschlag. Beginnend in den fünfziger Jahren, dann verstärkt in den sechziger und siebziger Jahren fand der latent immer noch vorhandene Rassismus in den USA eine Unterlage in der Schöpfungslehre, die die Gleichheit der Menschen in Abrede stellte. Es konnte ja auch nicht sein, dass ein vietnamesisches "Schlitzauge" ebenso ein Mensch war wie der edle Weiße, der nach Vietnam gekommen war, um es von Schlitzaugen zu säubern. Niemand sagte das, viele dachten es nicht einmal, aber eine Menge Leute fühlten es.

Die Basis dieser Gefühle waren die unvollkommene, sensationsheischende Berichterstattung in den Medien - und die Schöpfungslehre. Viele Amerikaner betrachten sich selbst als Auserwählte, denen es bestimmt ist, sich die Erde untertan zu machen. (Das hat gute Tradition - es wurzelt im Britischen Weltreich, der Grande Nation, dem Römischen Reich, der Deutschen Philosophie und Wissenschaft und so weiter. All diese Einflüsse haben die USA zu dem gemacht, was sie heute sind.) Die Frage, wer sie denn auserwählt habe, beantworten sie dann mit einem Blick in die Bibel - und das bringt uns wieder zum Ausgangspunkt, der Idee von einem universalen Schöpfer.

Die "Kreationisten" sprechen ja auch nicht von der "Schöpfungslehre", sondern sie nennen es "Intelligent Design". Demnach habe irgendein Schöpfer jedes Lebewesen so entworfen, dass es genau für seine Aufgabe gemacht ist. Nichts verändert sich, nichts passt sich an. (Die Kreationisten tun sich natürlich schwer, die Dinosaurierfossilien zu erklären. Während sie früher behauptet haben, die habe der Schöpfer gleich mit vergraben, um den Glauben seiner Geschöpfe zu prüfen (!!!) so sagen sie heute, das seien alles Pflanzenfresser gewesen, deren Knochen (das wisse man ja) viel schneller versteinern als die von Fleischfressern. Zum Beweis führen sie an, dass man ja auch immer wieder 3-4000 Jahre alte Bäume finde, die auch versteinert seien.) Das ist kein Witz. Leider.

Die Kreationisten tun sich natürlich schwer, all die Fossilien zu erklären. Sie tun sich aber noch viel schwerer, Rezepte für die Zukunft zu entwickeln. Da nach ihrer Lehre keine Entwicklung, keine "Auslese der Arten" stattfindet, muss der Schöpfer ihrer Lehre auf sich verändernde Umweltbedingungen mit der Neuschaffung von Arten reagieren. So erklären sie - höchst passend - sprunghafte Mutationen, die es ja immer wieder gibt. (Die können Anhänger der Evolutionslehre genau so gut erklären, aber das tut hier nichts zur Sache.) Was aber, wenn der Schöpfer plötzlich streikt? Wenn er das Experiment "Menschheit" als gescheitert ansieht und einfach nicht fortsetzt? Nach der Überzeugung der Kreationisten sind wir dann erledigt - ohne Chance, uns anzupassen können wir nur aussterben. Heitere Aussichten.

Ich will nicht sagen, dass die "klassische" Wissenschaft keinen Erklärungsnotstand hätte. Auch die "klassische" Wissenschaft muss irgendwie erklären, dass es Fossilien gibt, wo Menschen- und Saurierspuren nebeneinander zu sehen sind, dass das Leben auf der Erde schon ein paar Mal weitgehend ausgerottet wurde und was vor dem Urknall war. Wir nehmen vieles für gegeben hin, was uns die Wissenschaft seit hundert Jahren erzählt hat und leben ganz gut damit, weil die Erklärungsmodelle ja auch zu dem passen, was wir beobachten. (Von der Lichtgeschwindigkeit einmal abgesehen, die nicht zunimmt, wenn ich eine Taschenlampe in einem fahrenden Zug einschalte, und von der Quantentheorie, deren Gegenstände so winzig sind, dass ich sie eh' nicht sehen kann. Hier hilft mir dann der Glaube weiter.)

Aber es ist ein Unterschied, ob ich fehlendes Wissen durch fundierte Annahmen ersetze, oder ob mein ganzes Weltbild auf dem festen Glauben basiert, dass etwas so ist, wie es mir erzählt wird. Das eine nennen wir Aufklärung, das andere Religion.

Nun also hat der Kreationismus die Grundschulen im Mittleren Westen erreicht. Sicher, rückständiger als der Mittlere Westen ist kaum eine Gegend in den USA, und der Corn Belt ist sicher auch nicht das Zentrum künftigen Bevölkerungswachstums in den USA. Trotzdem gilt es, sich Sorgen zu machen. Einem Hassprediger kann ich ausweichen, weil ich genau weiß, dass er mir nur seine Wahrheit erzählt. Einem Lehrer vertraue ich normalerweise meine Kinder an, damit er ihnen den letzten Stand der Wissenschaft vermittelt.

Und genau hier liegt das Problem: die Kreationisten verkaufen die Schöpfungslehre als "anerkannte wissenschaftliche Theorie", nicht als das, was sie eigentlich ist - Religion. Die Trennung von Staat und Kirche - eines der fundamentalen Prinzipien der amerikanischen Verfassung - ist damit de facto aufgehoben. 600 Jahre Aufklärung durch den Schornstein - einfach so, und niemand läuft dagegen Sturm! Amerika heute - ein Alptraum aus bigottem Überlegenheitsgefühl und blindem Technikglauben. Amerika morgen - ein Staat christlicher Fundamentalisten, gewissermaßen ein "Iran auf der anderen Seite"? Schlimmer noch, eine fundamentalistische Supermacht. Der Rest der Menschheitsgeschichte dürfte dann schnell erzählt sein.

***

Nun gibt es zum Glück nicht nur Schlechtes aus den USA zu berichten. Jimmy Carter, Ex-Präsident, seinerzeit als Versager gebrandmarkt und durch einen triumphierenden Ronald Reagan abgelöst, der die Probleme der Supermacht auf seine Weise löste, dieser Jimmy Carter also hat eine Stiftung ins Leben gerufen, die die Gesundheit der Menschen in der Dritten Welt verbessern will. Dies tut sie sehr konkret - aktuell beispielsweise hat sie sich den Guinea Worm vorgenommen. Der Guineawurm ist ein Parasit, der im Körper heranwächst und sich, sobald er reif ist, durch die Haut nach draußen frisst - eine für den Wirt äußerst schmerzhafte Prozedur. Jimmy Carter flog zu Opfern dieser Krankheit, und sein Besuch ist es häufig, der die politisch Verantwortlichen erst dafür sensibilisiert, dass es dieses Leiden in ihrem Zuständigkeitsbereich gibt. Dabei wäre es einfach zu verhindern - ein Mindestmaß an Hygiene schützt schon vor dem Wurm, und die Behandlung eines befallenen Patienten kostet nur wenige Dollar. Hier unterstützt dann auch die Stiftung.

Die New York Times, wo ich diesen Bericht gelesen habe, stellte fest, Jimmy Carter habe "in seinem Ruhestand bedeutend mehr für die Menschheit geleistet als die meisten Präsidenten" in ihrer Amtszeit - Zeit also, Jimmy Carter zu rehabilitieren.
6.3.07 20:28


Vom "Unsinkbaren Sam" und anderen berühmten Katzen

Wir sind ja nun endlich auch mal Oscar geworden, und so hat heute Abend das Fernsehmagazin "Frontal" nach berühmten und weniger berühmten Oskars gesucht. Dabei stießen sie auf den Schiffskater der Bismarck - richtig, "Oskar".

Oskar überlebte mit 116 Seeleuten die Versenkung der Bismarck und wurde mit ihnen gemeinsam vom englischen Zerstörer HMS Cossack an Bord genommen. Dort war die Stelle der Schiffskatze gerade vakant, und so blieb er. Die Matrosen der Cossack verpassten ihm den Spitznamen "Unsinkbarer Sam". Allerdings wurde HMS Cossack schon knapp fünf Monate später im Mittelmeer durch einen Torpedo des deutschen U-Bootes U-563 versenkt.

Die Überlebenden - unter ihnen Oskar, alias Unsinkable Sam, wurden vom Flugzeugträger Ark Royal aufgefischt. Noch bevor sich der Kater allerdings all zu heimisch fühlen konnte, wurde auch Ark Royal von einem deutschen Torpedo getroffen. Es dauerte eine Weile, aber am 14. November kenterte und sank das Schiff.

Erneut wurde Sam gerettet, aber diesmal forderte die Besatzung des Zerstörers HMS Legion das Schicksal nicht heraus: sie brachte ihn in ein trockenes Quartier an Land, wo er noch mehrere Jahre friedlich lebte. Er starb 1951 und wurde mit militärischen Ehren beigesetzt.

Wer mehr über andere berühmte Katzen lesen will, dem sei folgende Website empfohlen: http://www.purr-n-fur.org.uk/famous/index.html

Besonders die Geschichte von Dewey Readmore Books hat es mir angetan :-) und wer mehr auf Kriegshelden steht, der sollte sich auf Simon, den Kater der Fregatte HMS Amethyst einlassen.

7.3.07 01:12


Von unsinniger Suchtprävention und anderen Merkwürdigkeiten aus dem Politikalltag

In Großbritannien wurde heute eine ältere Dame zu 250 Stunden gemeinnütziger Arbeit und umgerechnet rund 1500 Euro Geldstrafe verurteilt, weil sie Cannabis angebaut und geerntet hatte - freilich nur für ihren eigenen Bedarf. Die 68-Jährige sagte, sie benutze Cannabis, um ihre Depressionen und Schmerzen zu bekämpfen, unter denen sie seit dem Tod ihres Sohnes und zwei Autounfällen leide. Mit etwas Cannabis in einer Tasse heißer Schokolade habe sie fünf schmerzfreie Stunden, sagte die Großmutter.

Lassen wir mal weg, dass in manch schlichterem Gemüt unwillkürlich das Bild eines alten Kräuterweibleins emporsteigt, das vermutlich auch in der Freinacht zum Brocken fliegt um dort nackt zu tanzen. Dann bleibt nämlich ein überaus ernster Hintergrund.

Cannabis - oder Haschisch, Marihuana oder "Gras" - ist ein anderer Name für eine der ältesten und vielseitigsten Kulturpflanzen der Menschheit - Hanf. Seit tausenden von Jahren wird Hanf genutzt - man macht Seile daraus, Stoffe, Papier. Und man kann daraus ein hervorragendes Schmerzmittel herstellen, praktisch frei von Nebenwirkungen.

Oder besser gesagt: man könnte, denn Hanf hat sich seit den Fünfzigerjahren des letzten Jahrhunderts von einer Kulturpflanze zu einem kulturellen Problem entwickelt. Es nimmt nicht nur körperliche, sondern auch seelische Schmerzen, und das passt den selbsternannten Sittenwächtern in unserer Gesellschaft überhaupt nicht in den Kram.

"Suchtbefördernd" sei Hanf und schon deswegen des Teufels. Merkwürdig nur, dass die gleichen Kreise kein Problem mit Nikotin und Alkohol zu haben scheinen, die mindestens ebenso suchtgefährdend sind wie Hanf.

Vor einigen Tagen habe ich im Herald Tribune den Artikel eines Arztes gelesen, der eine Lanze für den Hanf brach. "Würde Marihuana jetzt erst als Heilpflanze entdeckt", so schrieb er, "die chemische Industrie würde Milliarden investieren, um das Potential dieser Pflanze auszuloten, vermutlich gefördert vom Staat."

Warum also geschieht das nicht?

Nun - da geht es vor allem mal um Geld, viel Geld. Der weltweite Schmerzmittelmarkt ist aktuell rund 30 Milliarden Euro schwer, Tendenz steigend. Kein Pharma-Lobbyist kann es hinnehmen, dass dieser Markt plötzlich zusammenbricht, weil Menschen auf nachwachsende Schmerzmittel zugreifen können. Also wird dafür gesorgt, dass das Thema "Legalisierung" am besten gar nicht erst auf die Tagesordnung kommt, und wenn doch, dann zum Beispiel im Kontext von unter Rauschgifteinfluss verursachten Autounfällen. (Dabei machen solche Unfälle einen kaum messbaren Prozentsatz der Unfälle aus, die unter Alkoholeinfluss passieren. Freilich kommt niemand auf den Gedanken, deswegen Bier oder Schnaps zu verbieten. Das hatten wir nämlich schon mal, und profitiert hat davon nur die Mafia.)

Ich will nun nicht so weit gehen und sagen, dass das internationale Verbrechen die Politik dafür schmiert, dass Haschisch auch weiterhin verboten bleibt, und so die Schmuggelprofite hoch bleiben. Ersetzen wir aber "internationales Verbrechen" durch "Pharmaindustrie", dann wäre das mein Statement des Tages.

Einstweilen leiden Kranke weiterhin unnötige Schmerzen oder bekommen Schmerzmittel, deren Nebenwirkungen wiederum Medikamente erfordern, die wiederum Nebenwirkungen haben, die ihrerseits wieder ... Merkt Ihr, wie viel Geld da drin steckt?

...........

Gestern im "arcor"-Ticker:
Berlin (dpa) - Die von Sachsens Innenminister Albrecht Buttolo angeregte öffentliche Sexualstraftäter-Datei ist auf breite und teils scharfe Kritik gestoßen. Die Gewerkschaft der Polizei lehnte ein öffentliches «An-den-Pranger-Stellen» ab. Der Vorschlag stelle einen «eklatanten Verstoß gegen die Verfassung» dar, sagte der Bundesvorsitzende Konrad Freiberg. Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach sagte, man habe ja einmal den Pranger aus guten Gründen abgeschafft. Deutliche Kritik kam auch aus Niedersachsen.

Hallo? Wie bitte?

Wir reden hier über Leute, die rechtskräftig verurteilt sind. Ich für mein Teil möchte gerne wissen, wenn ein Kinderschänder in meine Nachbarschaft zieht. Ich werde irgendwann Enkelkinder haben, die ich mir dann von Zeit zu Zeit von meinen Töchtern ausleihe. Ich will kein unnötiges Risiko für diese Kinder, und ich verlange, dass mir der Staat dabei hilft, dieses Risiko zu minimieren.

Leider aber ist das Gesetz immer auf Seiten der Kriminellen, selbst wenn sie bereits verurteilt sind.

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Die Diskussion um Krippenplätze ist mittlerweile in Absurdistan angekommen, und ich reibe mir immer wieder verdutzt die Augen, wer da welche Argumente auspackt, wer mit wem koaliert und wer warum wogegen ist.

Also: die Familienministerin (selbst Mutter von 6 Kindern) ist dafür und möchte 750.000 neue Krippenplätze schaffen. Münte ist dagegen, angeblich, weil die Finanzierung dafür nicht steht. An seiner Seite der gute Katholik Mixa (komme ich gleich noch mal drauf), die zürnenden CDU-Granden, die sich von Frau von der Leyhen überfahren fühlen, und natürlich den Finanzminister.

Für Frau von der Leyhen sind nur die meisten Frauen (übrigens war heute "Tag der Frau") und ein paar unverbesserliche Softis. Keine guten Aussichten. Wahlen sind ja erst in ein paar Jahren...

Wenn man nicht mehr weiter weiß, bildet man 'nen Arbeitskreis. Diesem Leitgedanken des deutschen Parlamentarismus folgend, will man nun erst mal ausloten, wie viele Krippenplätze gebraucht werden. Das Gute daran: die Kleinen werden Abitur gemacht haben, bevor die Krippenplätze zur Verfügung stehen.

Sie haben Ihr Ziel erreicht...

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Die katholische Kirche, immer wieder gerne genommen, wenn es um Antworten auf brennende Fragen der Gegenwart geht, engagiert sich ganz besonders intensiv in der Ablehnung weiterer Krippenplätze. Ich wünsche mir, sie würde genau so intensiv dafür eintreten, dass nicht beide Eltern arbeiten müssen, nur um sich das Leben leisten zu können.

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Wer einmal sehen möchte, wie Familienförderung funktioniert, der soll sich mal in Schweden umschauen. Dort wimmelt es von Kinderwagen, geschoben von Männlein und Weiblein. Leisten können sich das die Familien, weil der Staat sie großzügig unterstützt. Schweden integriert auch seine AusländerInnen und macht sie zu SchwedInnen. Schweden hat Ganztagsschulen.

Schweden hat kein Demograhieproblem.
9.3.07 00:35





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