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Von globaler Erwärmung, dem Verlust von Maßstäben und nackten Elchen

Die Diskussion um die ach so offensichtlichen Klimaveränderungen ist nun voll entbrannt, und mir scheint, die größte Gefahr für unser Weltklima geht von all der heißen Luft aus, die im Zuge dieser Diskussion erzeugt wird.

Damit man mich nicht falsch versteht: Umweltverschmutzung ist ein Thema, das uns alle angehen muss. Wir haben keinen Platz, wohin wir unseren Müll tragen können, wenn unsere Welt voll davon ist, wir haben keinen Platz, an den wir umziehen können, wenn wir unsere Welt verwüstet haben. Wir sitzen alle im selben Boot und es macht kaum einen Unterschied, ob man weiter unten oder weiter oben sitzt - wenn es absäuft, sind wir alle geliefert.

Das muss ich vorausschicken, weil die folgenden Sätze vielen Umweltbewegten sicher nicht gefallen werden.

Kopfschüttelnd bin ich der Diskussion der letzten Wochen gefolgt, in der es sich um den CO2-Ausstoß unserer Kraftwagen drehte. Es war ja nicht anders zu erwarten: die Autoindustrie, die vor ein paar Jahren zugesichert hatte, ab 2008 Autos in großen Stückzahlen herzustellen, die nicht mehr als 130 g CO2 je Kilometer ausstoßen, hat lieber SUVs und leistungsstarke Sportwagen gebaut. Resultat: es gibt ein einziges Auto, das unter der Marke von 130 g/km bleibt - den aktuellen Smart. Nun ist das Geschrei groß, es wird wieder einmal das altbekannte Arbeitsplatzargument ins Feld geführt, das Ende vom Lied: es wird abgemilderte Grenzwerte geben. Die Auto-Lobby hat sich durchgesetzt.

Statt dessen hat unser Umweltminister Gabriel den ehrenvollen Auftrag erhalten, "Konzepte für emissionsfreundliche Dienstreisen mit Flugzeug oder Auto" zu erarbeiten. Kein Witz - kommt so über den dpa-Ticker. "Emmissionsfreundliche Dienstreisen mit Flugzeug oder Auto" - hallo?

In der Klimaschutzdebatte wird mittlerweile so viel leeres Stroh gedroschen, dass es offenbar keinem mehr auffällt, wie wenig diese Diskussion dazu taugt, die richtigen Denkanstöße zu geben. Wir ziehen uns an der Diskussion um g/km hoch und vergessen dabei völlig, dass auch das umweltfreundlichste Auto erst einmal gebaut werden muss. Niemand hat in der gegenwärtigen Diskussion erwähnt, dass gerade die Herstellung eines Autos klimatechnisch ein Problem ist. (Zumindest habe ich diesen Gedanken nirgends gehört oder gelesen.)

Dabei sollte die Rechnung noch nicht einmal den durchschnittlichen Landtagsabgeordneten überfordern. In einem modernen Mittelklassewagen sind ungefähr 400 kg Stahl verbaut, für deren Erzeugung man (je nach Qualität) zwischen 4 und 10 Tonnen Erz verhütten muss. Kohle und Erz werden dafür im Verhältnis von 1,5 zu 1 eingesetzt (habe ich mal gelesen) - alleine das Verhütten verbraucht also zwischen 6 und 15 Tonnen Kohle. Das klingt nicht so schrecklich viel, aber wenn man sich im vergleich dazu vor Augen hält, dass dieser Mittelklassewagen über eine Laufleistung von (sagen wir mal) 200.000 km etwa 16 Tonnen Benzin oder Diesel verbrennt, dann wird klar, worauf ich hinaus will. Das eine (die 16 Tonnen Benzin) ist ein Problem, das andere (15 Tonnen Kohle) nicht?

Als ob es unserer Atmosphäre darauf ankäme, ob das Kohlendioxid bei der Sicherung von Arbeitsplätzen in der Autoindustrie entstanden ist. (Zumal die Rechnung bei den 400 kg Stahl ja nicht zu Ende ist - Eisenerz wächst unglücklicherweise nicht auf Bäumen oder Wiesen, ebenso wenig wie die Kohle. Und wir haben noch gar nicht über die knappe Tonne an sonstigen Materialien gesprochen, die einen heutigen Mittelklassewagen ausstatten: Kunststoffe, Aluminium, Glas, Gummi, Lacke, Edel- und Halbedelmetalle, und so weiter und so weiter. Man darf getrost davon ausgehen, dass zwei Drittel der Gesamt-CO2-Belastung durch ein Auto bei seiner Herstellung anfallen.)

Nun möchte im Autoland Deutschland niemand diese Diskussion, weshalb sie auch nicht stattfindet. Es ist ja auch nicht gerade staatstragend, ausgerechnet etwas gegen die Wachstums- und Exportindustrie Nummer Eins zu sagen. (Hat eigentlich noch niemand gemerkt, wie viel Potential in Umwelttechnik steckt?) Deshalb wird also genau das Gleiche wieder passieren wie Mitte der Neunziger mit den Katalysatoren: man wird Fahrer älterer Autos dafür bestrafen, dass sie sich (umwelttechnisch gesprochen) vorbildlich verhalten, indem sie ihren Wagen länger fahren. Das hat schon damals hervorragend funktioniert - Zehntausende gut erhaltener (aber kat-loser) Gebrauchtwagen wanderten in die Presse, und die Autoindustrie rieb sich die Hände - Absatz gesichert! Geschichte wiederholt sich eben doch.

Was soll man auch von einer Regierung erwarten, die nach wie vor Miteigentümer des größten Deutschen Automobilherstellers ist?

***

Ein bisschen ist der ganzen Diskussion ja auch die Perspektive abhanden gekommen. Das Weltklima verändere sich immer mehr, zum immer Schlechteren. Als Beweis wird - je nach Wetterlage - der zu warme oder zu kalte Winter, der zu trockene oder zu feuchte Sommer angeführt, die schmelzenden Gletscher oder die wachsende Eiskappe der Antarktis. Sicher ist dabei eigentlich nur, dass nichts sicher ist. Trotzdem behaupten Experten, genau sagen zu können, ab wann die Entwicklung der Erde zur Desaster Area besiegelt ist.

Was also wird am 12. Februar 2020 (oder 2022, je nachdem, welchem Experten man glaubt) geschehen? Wird die Erde stehenbleiben? Wird plötzlich alles Wasser verdunsten? Werden wir morgens aufstehen und ungläubig in eine Sand- oder Eiswüste schauen? Wird die Nordsee plötzlich an die Ausläufer des Harzes schwappen? Eher nicht. Die Veränderungen werden schleichend sein und die Menschheit wird lernen, damit zu leben. Der Mensch ist das anpassungsfähigste Lebewesen auf diesem Planeten, und wenn er sich nicht anpassen kann, dann wird er eben seine Rechnung von der Evolution präsentiert bekommen.

Alle Welt hat bei uns darüber gejammert, wie warm dieser Winter gewesen sei, wie wenig Schnee er gehabt habe - Arbeitsplätze in der Tourismusbranche könnten verloren gehen. Dabei werden doch ein oder zwei Dinge vergessen, die einfach wieder einmal erwähnt gehören, um die rechte Perspektive zurück zu gewinnen.

Erstens: warme Winter hat es zu allen Zeiten gegeben - es gibt eine ganze Reihe Bauernregeln, die darauf Bezug nehmen. Und ich sehe vor mir meinen alten Reader's Digest Weltatlas aus dem Jahr 1960, in dem es zu "Gemäßigten Klimazonen" heißt, sie zeichneten sich durch "kühle, feuchte Sommer und milde Winter" aus. Na also - "milde Winter" sind völlig normal.

Zweitens: der Winter war ja nicht überall so mild. In Skandinavien war es kalt wie lange nicht, in Nordamerika - bis hinunter nach Viginia, auf einer Höhe mit Marokko! - gab es die heftigsten Schneestürme seit vielen Jahren.

Drittens: letztes Jahr hatte der Winter so viel Schnee, dass Sporthallen eingestürzt sind. Dann wollte der Winter auch gar kein Ende mehr nehmen - es fror und schneite noch Anfang April. Dafür war dann recht schnell Sommer - und was für einer! Beides verkaufte man uns wiederum als Zeichen der globalen Erwärmung. Ich weiß nicht - seriös geht irgendwie anders.

Es ist ja auch entlarvend, wer die Klimadiskussion jetzt alles benutzt, um sein eigenes Süppchen zu kochen. Atomkraft gilt plötzlich als Garant für umweltfreundliche Energieerzeugung. Als ob man Uran nicht aus dem Boden holen und anreichern müsste, und als ob es nie ein Harrisburg oder ein Tschernobyl gegeben hätte. Und als ob die Endlagerfrage gelöst sei - noch mal: wir haben kein "runter", wo wir den Müll hinschaffen können...

Fazit: die Klimadiskussion ist notwendig, aber sie wird momentan zutiefst unseriös geführt, und mit der falschen Zielrichtung. Es mag tausend gute Gründe geben, sich einen neuen Wagen zuzulegen - die Umwelt ist keiner davon.

***
Die Natur hilft sich eh' schon selbst, was die globale Erwärmung angeht. Im Arcor Newsticker las ich gerade, dass den Elchen in Schweden die Haare ausgehen. Ursache scheint ein Schmarotzer zu sein, eine Stechfliege, die die Elche ihren Pelz kostet. Für den Sommer (der auch in Schweden recht warm sein kann) sind die Elche damit bestens gerüstet - leider kommt diese Entwicklung etwas zeitig im Jahr, so dass die Elche jetzt nackt und frierend auf diversen Lichtungen herumstehen.
26.2.07 21:28


Beratung - Neues vom Kaiser und seinen Kleidern

Am Montag Abend lief im ZDF eine Dokumentation über Absolventen, die in die Beratung einsteigen. Ich hoffe, das haben nicht all zu viele gesehen, weil es doch eher eine peinliche Veranstaltung war.

Ich arbeite ja selbst in der Branche, von daher nehme ich für mich in Anspruch, fundiert ins eigene Nest scheißen zu können. Da wurden also junge Leute gezeigt, die an der Uni ein Prädikatsexamen und ein paar Praktika hingelegt haben, und nun bei Booz Allen Hamilton in München anfangen.

Nun ist BAH eine renommierte Beratungsgesellschaft, die sicher viele Erfolge vorzuweisen hat. Dennoch fehlt es mir an Verständnis dafür, dass hier Leute, die - abgesehen von ein paar Praktika - außer einem guten Abschluss nichts vorzuweisen haben, zwischen 50 und 60.000 Euro bekommen. Das ist das Gehalt eines Geschäftsführers im oberen Mittelstand. Dazu kommen Auto, Umzugsunterstützung, Hilfe bei der Wohnungssuche, und so weiter und so weiter.

Wofür, frage ich mich? Diese Leute werden von ihrem Arbeitgeber auf Kundenprojekte geschickt, wo sie vom Kunden auch noch dafür bezahlt werden, Erfahrungen zu sammeln. Verantwortung tragen? Woher denn - ich bin schließlich nur der Berater.

Nun gehören zu einer Beratung immer zwei - ein Berater und ein Beratener. Und da stellt sich häufig heraus, dass Berater nicht wirklich gebraucht werden, um neue Ideen in ein Unternehmen zu bringen, oder auch nur Denkanstöße zu geben. Vielfach sollen sie nur gebraucht Entscheidungen verkünden, die das Management längst getroffen hat, und für die durch den Einsatz des Beraters eine gewisse Legitimation erzeugt wird.

Oder man holt Berater, weil "die oben" den Kontakt zu "denen da unten" verloren haben, das "Raumschiff" also "völlig losgelöst " herumeiert. Hier wieder Kommunikation zu etablieren, ist die Aufgabe des Beraters.

Was davon ist hunderttausend Mark wert? Es gibt einen Branchenspruch - die eine Hälfte unserer Gehälter beziehen wir als Schmerzens-, die andere als Schweigegeld. Und alles nur, weil in den Beletagen immer mehr Manager sitzen, die irgendwann mal als Absolventen bei einer Beratung angefangen haben. Das Perpetuum Mobile als Lebensprinzip gewissermaßen.

Auf der Strecke bleiben dabei die Kunden, die wirklich Hilfe brauchen und haben wollen, weil es immer weniger Beratungsunternehmen gibt, die ehrlich genug sind, ihrem Kunden zu sagen, wie wenig sie für ihn tun können. Statt dessen schicken sie lieber Jungvolk, unbeleckt von so gut wie jeder Sachkenntnis, und lassen diese beim Kunden "neue strategische Konzepte erarbeiten." Was immer das nun wieder heißt - meiner Erfahrung nach wird viel Papier eingefärbt, ohne dass ein wirklicher, vor allem aber bleibender Wert für den Kunden dabei herauskommt.

Viele Kunden begreifen nicht - und wollen es vielleicht auch gar nicht begreifen - dass es ihnen sehr wohl gegeben ist, sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen. Sie müssten nur endlich die Dinge wieder selbst in die Hand nehmen.

Jede Hausfrau könnte das. Aber Hausfrauen führen keine Konzerne. Leider.
27.2.07 20:30


Macht's gut und danke für den Honig

Amerikanische Imker berichten über das rätselhafte Verschwinden von Hunderten von Bienenvölkern. Während Verluste von bis zu zwanzig Prozent als "normal" angesehen werden, berichtete die "Herald Tribune" von Verlustraten von mehr als sechzig Prozent unter den nordamerikanischen Bienenvölkern, die dringend zur Bestäubung der kalifornischen Mandelbäume gebraucht würden. So wird schon jetzt mit erheblichen Ernteausfällen gerechnet, obwohl die Blüte gerade erst begonnen hat.

Dabei ist die ganze Sache recht mysteriös: die Imker überlassen die Stöcke im Winter weitgehend sich selbst und sehen nur gelegentlich nach dem Rechten. Im Winter fliegen die Bienen ja auch nicht, sondern ernähren sich von den eingelagerten Vorräten.

Jetzt im Frühling kommt es aber immer häufiger vor, dass ein Imker zu seinen Stöcken kommt, und jeden zweiten verlassen vorfindet. Nicht irgendwie verrottet und voll mit toten Immen - sondern komplett leer, wie vom Umzugsunternehmen leergeräumt.

Okay, der eine oder andere Schwarm wurde vielleicht entführt. Aber sechzig Prozent aller Völker an der US Westküste? Es gibt Vermutungen, dass die Bienen wegen Futtermangels geschwärmt seien und dann die Orientierung verloren haben, was im zersiedelten Nordamerika so ungewöhnlich nicht wäre. Aber das erklärt nicht, wieso die Völker in solchen Massen verschwinden.

Auch Stress wird als Ursache angeführt: immer weniger Bienen müssen immer mehr Obstbäume bedienen. Klar, dass denen irgendwann die Lust ausgeht. Ich kann mir das so richtig vorstellen - die Königinnen im Gebärstreik. Aber das erklärt nicht, wieso die Stöcke komplett leer sind. Zumindest tote Bienen müsste man finden können.

Auch dass die Bienen sich mit anderen Völkern vermischt hätten und in diesen gewissermaßen aufgegangen seien, ist wissenschaftlich nicht haltbar. Bienen werden in ihren Stock hineingeboren und sie sterben in ihm - keine Chance, dass sich zwei Völker vermischen, selbst wenn sie direkt nebeneinander leben.

Irgend etwas stimmt also nicht, ganz entschieden nicht. Niemand kann freilich genau sagen, wo die Bienen hingehen - Douglas Adams lässt grüßen...
28.2.07 23:34





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