tomcat1960
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Welcome back!

Fast ein dreiviertel Jahr ist es her, dass ich hier geschrieben habe - aber es war einfach zu viel los in diesem Jahr. So ist das eben, man konzentriert sich auf die Dinge, die man tun muss (weil sonst die Welt, wie wir sie kennen, aufhört zu existieren), danach auf die Dinge, die man tun sollte (weil sonst irgendetwas Anderes, hässliches passiert) und schließlich die, die man dringend tun möchte, weil sie einem etwas nützen. (Meine Steuererklärung ist so eine Sache...)

Dazu kam, dass meine Mutter gestorben ist. Sie fehlt mir sehr - vor allem auch, wenn es um gute Sprache geht. Sie hatte in ihrer Jugend Germanistik studiert und mein Sprachgefühl verdanke ich ihr. Mein Bruder und ich haben ihre Wohnung aufgelöst und ich habe einen Großteil ihrer Bücher übernommen - und musste noch ungeheuer viel wegwerfen.

Über all dem habe ich vergessen, wie ich auf meinen Blog komme, um daran weiter zu schreiben - kein Witz! Dann geriet das wieder in Vergessenheit, und schließlich kam ich doch wieder drauf (wie Ihr sehen könnt.)

Also - willkommen zurück, und ich werde diesmal dranbleiben.
15.1.07 22:22


Von Demographen und Demoskopen

Gestern Abend lief der dritte und letzte Teil von "2030 - Aufstand der Alten", dem auf durchaus soliden demographischen Fakten basierten Geriatrie-Krimi um einen unbeugsamen Alten namens Sven Dahrow, dessen Spuren folgend eine Reporterin schließlich die Bundesregierung stürzt. Die hatte sich die "M-Lösung" einfallen lassen, mit der der Minimalbetrag, um einen (alten) Menschen gerade noch so am Leben zu erhalten, zur Einheitsrente gemacht wurde, um den Steuerzahler zu entlasten.

Auch wenn das ganze Setup am Ende etwas plump rüberkam und deutliche Anleihen bei dem (sehr guten) Stück "Die Wannseekonferenz" nahm, die Aussage bleibt gültig: die demographische Katastrophe ist längst Realität, auch wenn sie von den Politikern (die ja in ihrer Altersvorsorge nicht betroffen sind) hartnäckig verdrängt wird.

So nimmt es denn auch nicht Wunder, dass einer Umfrage zufolge 91% (!!!!!) aller Bundesbürger nicht glauben, dass ihre Rente auch weiterhin gesichert sein wird. Immerhin erleben wir gerade das vierte Jahr in Folge, in dem die Renten nicht angepasst werden, was für die Rentner unterm Strich jenen Einkommensverlust bedeutet, den die Politik mit Tricksereien am statistischen Warenkorb für die Erwerbstätigen wegleugnet.

Man stelle sich vor: 91% aller Menschen (also praktisch die gesamte Bevölkerung!) geht davon aus, am Ende ihres Erwerbslebens in die Röhre zu schauen, und als Konsequenz unternehmen sie ... nichts. Nichts! Ist das nun typisch Deutsch? Ist das nicht geradezu eine Ermunterung für die Politik, die Alten weiter so zu behandeln, wie es sich abzeichnet und wie es (nur wenig übertrieben) in "2030" dargestellt wurde?

Ich frage mich, was noch geschehen muss, bevor die Älteren (und nicht nur die) auf die Barrikaden gehen. Muss wirklich erst ein Gesetz kommen, mit dem das "sozialverträgliche Frühableben" geregelt wird? Muss wirklich erst ein Gesetz kommen, das ältere Menschen systematisch von Leistungen der Krankenkassen ausschließt? Ich denke da nicht nur an "Hüftgelenke für 80-Jährige", die sicher schon bald den Weg des Zahnersatzes gehen werden, den sich alte Menschen schon lange nicht mehr leisten können. Dialyse? Insulin? Behandlung von Depressionen? Wozu, bitte?

Das wäre doch mal eine Umfrage, die wir uns antun sollten: wo liegt für den Deutschen an und für sich die Schmerzgrenze?
17.1.07 10:26


Von männlichen Würmern und mutigen Frauen

Viel ist geschrieben worden über den Kampf des Stoiber Edmund um Ämter und Würden. Beides blieb am Ende auf der Strecke und es ist nicht absehbar, dass bald Ruhe einkehrt in die CSU. Jenseits aller parteilichen Häme erblicken wir hier eine bedenkliche Entwicklung, die sich so oder so ähnlich in jeder politischen Organisation vollzieht: mit dem Demokratieverständnis innerhalb der Parteien ist es nicht mehr sehr weit her.

Rekapitulieren wir: die Mehrheit an der Basis will Ede nicht mehr, und in der Bevölkerung ist er eh' umstritten. Die CSU rutscht in Umfragen unter 50% - Panik bricht aus. Die Landtagsfraktion aber (und nur die tagte ja in Kreuth) versichert Ede ihrer ungebrochenen Treue. Jedenfalls solange er da blieb. Kaum hatte er sich zum Gehen gewandt, gingen die Abgeordneten noch einmal in sich. Mit Ede gehe es nicht, jedenfalls wäre ein Ergebnis wie 2004 nicht mehr zu erwarten. Da das Hemd näher als der Rock sitzt, deinvestiert man nun bei Stoiber und setzt auf Beckstein und ... ja, wen denn nun eigentlich?

Die Landtagsfraktion möchte den Huber gerne, aber der ist in der Bevölkerung nicht übermäßig hoch angesehen. Beckstein kann auch mit ihm, und das mit dem Volk lässt sich geradebiegen - den Ede mochten sie seinerzeit auch nicht alle.

Nun aber kommt der Seehuber aus Berlin. Richtig weist er darauf hin, dass den Huber außerhalb von Bayern keiner kennt (eigentlich kennt ihn hier auch kaum jemand) und dass der bundespolitische Anspruch der CSU jemanden mit bundespolitischer Erfahrung als Parteivorsitzenden erfordert. Einen, der zur Abwechslung mal wieder keine Berührungsängste mit der überbayrischen Politik hat. (Der Letzte dieses Schlages, seien wir ehrlich, war Strauß.)

Für Seehuber spricht auch, dass er die Basis hinter sich zu haben scheint - wie Beckstein ist auch er eher der Typ des Volkshelden, während dem Huber der Funktionär irgendwie überall durchschimmert.

Gegen beide spricht, dass keiner den Mut hatte, dem Ede ins Gesicht zu sagen, dass seine Zeit abgelaufen war. Diesen Mut brachte keiner der Landtagsabgeordneten in Kreuth auf, und auch davor nicht. Es brauchte eine Landrätin aus Fürth, um dem Unbehagen an der Basis eine deutlich hörbare Stimme zu geben.

Das lässt zwei Fragen offen: erstens sollten wir Wähler uns gut überlegen, ob wir weiterhin Abgeordnete wollen, die in bester Hinterbänklermanier alles vermeiden um nur ja kein bisschen aus der Deckung zu müssen. Zweitens, wo nehmen diese Würmer das Recht her, ihrer Parteibasis einen neuen Vorsitzenden zu diktieren?

Beckstein will jetzt Ruhe im Schiff und so legen er und der Rest des Huber-Lagers (das Partei-Establishment also) Seehuber nahe, es nicht auf eine "Kampfkanditur" anzulegen. Herrgottnochmal - es wird vielleicht endlich mal wieder eine Möglichkeit geben, zwischen zwei Kandidaten zu entscheiden. Was als beste demokratische Praxis geübt gehört, gerät in der Diskution innerhalb der CSU zum drohenden Untergang des Abendlandes. Sie haben es wirklich weit gebracht in der CSU, die Würmer.

Der Vorschlag, die Basis direkt zu befragen, steht im Raum. Vielleicht sollte jemand Frau Pauli fragen, ob sie nicht noch einmal vortreten möchte. Sie kennt sich schließlich noch am besten aus mit den Schmerzen, die ein vorhandenes Rückgrat verursachen kann.
18.1.07 11:06


Eine Fußnote zur Logik von Aufsicht und Verantwortung

Von der Öffentlichkeit abseits des Börsenparketts und der Teppichetagen DAX-notierter Unternehmen weitgehend unbeachtet vollzieht sich gegenwärtig eine stille Diskussion innerhalb der EU-Kommission, an deren Ende wohl ein Gesetzesvorschlag stehen wird, vor dessen Konsequenzen nicht deutlich genug gewarnt werden kann.

Es geht im Kern darum, die Haftung von Prüfungsgesellschaften für die Konsequenzen mangelhafter Abschlussprüfungen zu beschränken. Als Grund wird angeführt, man wolle vermeiden, namhafte Prüfungsunternehmen in den Ruin zu treiben, wenn sie von ihren bösen Klienten hinters Licht geführt werden und einen Abschluss testieren, der sich später in Rauch auflöst. Dies diene der Sicherung des Wettbewerbs. Als Beispiel für so einen Ruin wird ausgerechnet Arthur Anderson angeführt, die Prüfungsgesellschaft, die 2002 im Zuge des Enron-Skandals in Flammen unterging.

Dies ist ein ausgesprochen schlechtes Beispiel. Zur Erinnerung: Prüfer von Anderson hatten mit der Geschäftsführung von Enron - die sie eigentlich prüfen sollten - gemeinsame Sache gemacht. Anderson-Mitarbeiter waren sogar daran beteiligt, verräterische Dokumente durch Reisswölfe zu jagen. Und so vollständig war der Anderson-Ruin auch nicht: in Deutschland jedenfalls bekamen alle Anderson Partner ihre Einlage ausgezahlt - meines Wissens in voller Höhe.

Prüfungsunternehmen haben die Aufgabe, die Jahresabschlüsse von Kapitalgesellschaften zu prüfen. Nach dem Ende von Anderson gibt es noch vier große und eine ganze Reihe kleinerer Prüfungsgesellschaften. Der Gesetzgeber schreibt die Prüfung der Jahresabschlüsse durch unabhängige Auditoren vor, weshalb die Prüfungsgesellschaften alles tun, um nur jeden noch so kleinen Anschein von Interessensverflechtung auszuschließen.

Nun arbeiten auch in Prüfungsgesellschaften Menschen. Menschen sind träge und meiden übermäßige Anstrengungen. Die meisten jedenfalls. Deshalb muss nach der Motivation gefragt werden, die Prüfungsgesellschaften umtreibt, wenn sie solche Anstrengungen auf sich nehmen wie eine jährliche Zertifikation jedes einzelnen Mitarbeiters - einschließlich des Büroboten, der Empfangsdame und des Hausmeisters - um ihre Unabhängigkeit zu sichern. Die Antwort: die Folgen, wenn sie es nicht täten und man ihnen einen Verstoß gegen das Unabhängigkeitsgebot nachweist, wären zu schrecklich.

Man stelle sich vor: die Gesellschaft, die Daimler testiert, macht einen Fehler und es stellt sich heraus, dass einer ihrer Partner (auch wenn er mit dem Abschluss bei Daimler nicht das Geringste zu tun hatte) Daimler-Aktien besitzt. Als internationales Unternehmen kann man Daimler weltweit vor Gericht zerren, und selbst wenn es nicht gelingt, sich die Kursverluste "vom Daimler" ersetzen zu lassen, dann könnte man doch immer noch das Unternehmen, das die Bilanz aus dem letzten Börsenprospekt testiert hat, vor den Kadi zerren. Idealerweise in den USA, wo die Schadenersatzsummen schnell ruinös werden können, selbst für einen der ganz Großen.

Dabei wird dann nicht etwa der eine Partner verklagt, dem Verstrickung in die Daimler-Interessen nachgesagt wird (das reicht ja schon - es muss ja nicht einmal bewiesen werden, dass er den Abschluss beeinflusst hat.) Nein - die Klage richtet sich gegen das gesamte Unternehmen. Da ist ja auch mehr zu holen. Und heißt Partnerschaft nicht "Einer für Alle - Alle für Einen"?

Diese Aussicht des vollkommenen Unterganges ist es, die Prüfungsunternehmen bei der Stange hält. Dieses Risiko ist es, das ihnen wenigstens einen Anschein von moralischer Rechtfertigung für die absurd hohen Testatsgebühren gibt (die bei einem BlueChip durchaus den Haushalt einer wohlhabenden Kleinstadt tragen würden.) Testate sind eine Sinekure, denn, wie gesagt, der Staat schreibt sie vor und der Markt namhafter Prüfungsgesellschaften ist doch sehr übersichtlich. Die Raten sind mehr oder weniger überall gleich - Wettbewerb und die mit ihm einhergehenden großen Unterschiede finden in einem solchen geregelten Markt kaum statt.

Deshalb bin ich der Meinung, Prüfungsfirmen sollten auch weiterhin ohne Obergrenze für vermurkste Testate haften müssen. Das Argument, den Wettbewerb erhalten zu wollen, sticht in einem Oligopolmarkt nicht wirklich, in dem niemand Wettbewerb will und wo er auch keinem etwas nützt. Und ein Prüfer, der sich über den Tisch ziehen lässt, ist ein schlechter Prüfer, um den es sowieso nicht schade ist. (Die großen Vier investieren Jahr für Jahr zweistellige Millionenbeträge in die Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter. Neue Mitarbeiter lässt man auch nicht alleine loslaufen, sondern sie wachsen in Teams heran, in denen sie Zeit haben, ein Auge für Ungereimtheiten zu entwickeln.)

Last not least: Investoren - das sind die, denen Sie und ich unser Geld anvertrauen, auf dass es sich mehre - Investoren haben ein Anrecht darauf, ordentliche Bilanzen vorgelegt zu bekommen. Wenn man das erreichen will, sollte man den Prüfern mehr Rechte einräumen, mehr Möglichkeiten, ihren Kunden auf die Finger zu sehen, aber auch mehr Pflichten für ein ordentliches Testat.
25.1.07 15:31





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