tomcat1960
  Startseite
    Fun! Funnier! Funniest!
    Bilder
    Kommentare
    Zitate
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
  Abonnieren

http://myblog.de/tomcat1960

Gratis bloggen bei
myblog.de





Willkommen in meinem Blog!

So. Nun also auch ich. "Blogge".

Komisches Wort. Passt irgendwie in unsere Zeit, in der alles immer schnell, schnell gehen muss und keiner sich mehr die Zeit nimmt, "ich f?hre ein ?ffentliches Tagebuch im Internet" zu sagen.

Na sch?n - blogge ich eben. Und sitze wieder vor einem leeren Eingabefeld, das mich anklagend anstarrt, weil es mit meinen Erg?ssen gef?llt werden m?chte. So wie damals, mit zw?lf, die erste Seite meines ersten Tagebuches. Ich hatte es ein paar Wochen, dann machte ich den Fehler, das erneut zu lesen, was ich ein paar Wochen vorher abgesondert hatte.

Ich schmiss es weg. Ganz weit weg - zuunterst in die M?lltonne, und dann dar?ber K?chenabf?lle und den Katzendreck, damit es nur ja keiner mehr herausholt. Oh Gott, mir str?ubt sich heute noch alles, wenn ich daran zur?ckdenke...

Dann, mit Anfang zwanzig, das Gleiche nochmal, mit ?hnlichem Ergebnis. (Nur, dass ich da keine Katze mehr hatte, deren Dreck ich draufh?ufen konnte.) Was ist verkehrt mit Tageb?chern? Genau - sie behalten zwar f?r sich, was Du ihnen anvertraust, aber sie geben Dir auch keine Lebenshilfe.

Das tun beste Freundinnen - ist 'ne M?dchensache, M?nner kennen sowas nicht. Ich zum Beispiel kann mir auf der ganzen Welt keine zwei Kerle vorstellen, mit denen ich ?ber mein Allerallerinnerstes reden w?rde.

Getroffen habe ich davon allerdings noch keinen.

Nun also ein ?ffentliches Tagebuch. Es - genauer: Ihr! - k?nnt (und sollt) antworten, kommentieren, durch den Wolf drehen oder loben, was ich so absondere. Ich freue mich auf Eure Beitr?ge. Was davon gut ist, kommt in den Blog (wenn Ihr es ausdr?cklich w?nscht, mit Eurem Nick oder Namen, ansonsten grunds?tzlich anonym), der Rest landet im M?ll.

Ach ja, noch eines: dies ist MEIN Blog, das hei?t, was immer hier reinkommt, sind Dinge - Bilder, Texte, Links und so weiter - die ICH gut finde. Und nat?rlich Berichte ?ber Ereignisse, die mich bewegen - als Ehemann und Familienvater, H?uslebauer, Unternehmensberater und Betriebsrat*) kommt da einiges zusammen. Aber, ganz wichtig: hier stehen MEINUNGEN, keine Meldungen. *)schr?ge Mischung, ich wei?

Wenn wir uns dar?ber einig sind, werden wir gemeinsam viel Spa? hier haben.

Euer
Tomcat1960
15.2.06 11:45


Vom zwanghaften Konjunktiv und ähnlichen Verbrechen an der Deutschen Sprache

Ich bin gerade im ICE gefahren. Jedesmal, wenn wir einen Bahnhof erreichten, sagte der Zugchef (Schaffner sagt man ja nicht mehr), nachdem er den Bahnhof und die Reisemöglichkeiten durchgegeben hatte:
"Wir möchten uns von den Fahrgästen verabschieden, die hier in xxx aussteigen und danken Ihnen für Ihre Reise mit der Deutschen Bahn."

Ein Kollege, den ich gefragt habe, ob er für mich etwas in Erfahrung bringen kann, antwortete mir:
"Da könnte ich mal nachfragen."

Ja, was denn nun? Verabschiedet sich die Deutsche Bahn nun oder nicht? Oder möchte sie es nur tun und bringt es dann doch nicht fertig? Oder mein Kollege: Kann er es? Tut er es am Ende sogar? Oder könnte er es , wenn ... nicht gerade Vollmond wäre, oder Mittwoch Nachmittag, oder draußen kein Tauwetter wäre. Woher soll ich wissen, unter welchen Umständen er tun wird, worum ich ihn bitte?

Dieses Versündigen an der Sprache hat leider eine lange, dunkle Tradition. Sie begann irgendwann mit dem berühmt-berüchtigten "Ich würde sagen ..." für das uns unsere Deutschlehrer vor dreißig Jahren noch gemaßregelt haben. Heute gehen ihnen solch "würde"-volle Sätze vermutlich ebenso leicht von den Lippen wie einem Politiker.

Woher kommt das? Hat es damit zu tun, dass wir zu einer Gesellschaft ohne Rückgrat verkommen sind, in der das bequeme Aufgeben von Positionen dem festen Auftreten vorgezogen wird? Warum sagt man Dinge nicht einfach, sondern lässt es beim bequemen Konjunktiv? "Ich möchte festhalten, ..." Oder, der Superlativ dieses Sprachmordes: "Ich würde an dieser Stelle festhalten wollen, dass ..." Was bringt geistig gesunde Männer und Frauen nur dazu, dermaßen verquast daherzureden?

Lest mal Schiller, Goethe oder Heine. Wetten, dass dort kein einziges "ich würde sagen" zu finden ist? Bitte, bitte, lasst unsere Dichter unsere sprachlichen Vorbilder sein, nicht Politiker!
15.2.06 19:21


Von Verfassungsrichtern, ängstlichen Politikern und bösen Menschen

Gerade lese ich, dass das Bundesverfassungsgericht entschieden hat, der Abschuss eines von Selbstmordattentätern entführten Verkehrsflugzeuges durch die Bundesluftwaffe verstoße gegen die Verfassung. Dieses Urteil war zu erwarten, und es ist sauber begründet: die Verfassung lässt den bewaffneten Einsatz der Bundeswehr im Inneren nicht zu. Punkt.

Wieder mal ist also ein handwerklich schlecht gemachtes Gesetz gekippt worden. Das ist gut so. Schlecht ist, dass das Urteil umgehend fehlinterpretiert wurde. Denn natürlich muss es eine Möglichkeit geben, ein Flugzeug abzuschießen, bevor es von einem Kommando aus Selbstmordattentätern beispielsweise auf ein großes Chemiewerk geworfen wird. (Was passieren kann, wenn es in einer Chemiefabrik einmal so richtig brennt, kann der geneigte Leser hier erfahren.) Wenn es also die Bundesluftwaffe nicht tun darf, wer dann? Vielleicht sollten wir ein paar Piloten zum Bundesgrenzschutz versetzen, und dafür ein paar Eurofighter extra anschaffen? Oder - weil's so einfach ist, und weil die Amis da sowieso weniger Skrupel haben - wir fragen gleich bei den US-Streitkräften nach.

Damit man mich nicht falsch versteht: ich würde es wirklich hassen, Objekt eines Luftverkehrs zu sein, der nicht imstande ist, gefährlichen - und bösen - Elementen den Zutritt zu verwehren. Aber das ist zunächst mal das Restrisiko, das ich auf mich nehme, wenn ich in ein Flugzeug steige. Es ist nicht das Risiko der unschuldigen Menschen am Boden, die sterben werden, wenn der 11. September zur Abwechslung mal bei uns stattfindet.

Der "Vier-plus-zwei-Vertrag" hat Deutschland seine uneingeschränkte Souveränität wiedergegeben - auch für die Luftraumsicherung. Das ist ein Privileg, aber es kommt mit ein paar Pflichten daher. Die Politik hat sich lange genug darum gedrückt, aus dieser veränderten politischen Realität mit mutigen Schritten verfassungsrechtliche Konsequenzen zu ziehen. Wir werden uns nicht immer hinter dem breiten Rücken der Amerikaner verstecken können, zumal diese ihre eigenen Probleme haben und ihre Kräfte in Mitteleuropa weiter reduzieren.
15.2.06 19:26


Noch mal zu den Verfassungsrichtern ...

Jetzt habe ich mir in der Zeitung die Urteilsbegründung angesehen. Und muss etwas von dem zurücknehmen, was ich gestern hier geschrieben habe.

Die Verfassungsrichter haben unglücklicherweise eben doch den Artikel 1 völlig undifferenziert betrachtet. Für sie besteht kein Unterschied zwischen jenen, die in das Flugzeug gestiegen sind (und damit ganz bewusst jenes Restrisiko in Kauf nehmen, von dem ich unten gedschrieben habe), und denen, die am Boden geblieben sind und nun - ungeschützt und wehrlos - zusehen müssen, wie ein Flugzeug zur tödlichen Waffe wird. Was, bitte, ist mit deren Menschenwürde?

Die Verfassungsrichter zeigen hier einen bemerkenswerten Hang zum Luxus, einem Luxus, den wir uns in dieser Welt, in der Terroristen einen unerklärten, aber offenen Krieg führen, nicht mehr leisten können.

Wie hat es eigentlich der "finale Rettungsschuss" an den Verfassungsrichtern vorbei geschafft?

Ach ja, und der "Vier-plus-zwei-Vertrag" heißt natürlich eigentlich "Zwei-plus-vier-Vertrag". Entschuldigt meinen Ausrutscher ;-)
16.2.06 20:20


Cheneys Täuschungsmanöver - Von der Würde der Presse

Diesen Text hier habe ich heute in meiner Lieblingszeitung, dem Wall Street Journal, gefunden. Ich übersetze mal eben:

"Das Pressekorps ist empört darüber, dass das Weiße Haus 20 Stunden oder so gewartet hat, um zu enthüllen, dass Vizepräsident Dick Cheney einen Jagdgenossen angeschossen habe, und wir verstehen, warum. Begreifen diese Bush-Leute denn nicht, dass das Verbergen einer Tat schlimmer ist als die Tat selbst?
Im Namen der Solidarität unter den Medien, und im Interesse des Zurechtstutzens der Kaiserlichen Präsidentschaft, haben wir die nachstehende Zeitleiste des Täuschungsmanövers zusammengestellt, zusammen mit ein paar ungeheuer wichtigen Fragen, die eine Antwort verdienen:
- 5:30 Nachmittags, Samstag. (Alle Zeiten entsprechen Central Standard Time - also der Zeit von Texas.) Mr. Cheney beschießt Harry Whittington 1) mit Schrot, und der Secret Service benachrichtigt umgehend die örtliche Polizei. Wer ist Harry Whittington und für wen lobbyiert er? Kennt er Scooter Libby? 2)
- 6:30 Nachmittags. Andy Card, Stabschef des Weißen Hauses, benachrichtigt Präsident Bush, dass es ein Jagdunglück unter Beteiligung des Vizepräsidenten gegeben habe. Hat Mr. Bush irgendwelche Fragen gestellt? War er intellektuell aufgeschlossen?
- 7:00 Nachmittags. Karl Rove 3) erklärt Mr. Bush, dass es Mr. Cheney sei, der geschossen habe. Warum wurde dieses Detail dem Präsidenten volle dreißig Minuten lang vorenthalten? Wen sonst informierte Mr. Rove in der Zwischenzeit? Wurde Valerie Plame 4) erwähnt?
- 5:00 Morgens, Sonntag. Der Pressechef des Weißen Hauses, Scott McClellan, erfährt, dass Mr. Cheney der Schütze ist. Auch er versäumt es, die Medien zu alarmieren. Beeilte er sich, Notizen zu machen oder wieder einzuschlafen?
- 11:00 Morgens. Katharine Armstrong, die Eigentümerin der Ranch, auf der geschossen wurde, schießt die Geschichte ganz nach oben, indem sie die Neuigkeit an die Corpus Christi Caller Times gibt. Wenn man ihr glauben kann, habe ihr Mr. Cheney gesagt, sie solle tun, was sie für richtig hielt. Hat Ms. Armstrong einmal für Halliburton gearbeitet?
- 1:30 Nachmittags. Die texanische Zeitung stellt die Story auf ihre Website, nachdem sie sie vom Büro des Vizepräsidenten hat bestätigen lassen. Jeder Beteiligte bestätigt, mehr oder weniger, alles, oder so ähnlich. Diese Übereinstimmung ist höchst verdächtig.
- 11:27 Vormittags, Montag. Mr. McClellan hält schließlich eine Pressekonferenz ab und wird gegrillt. Ein Reporter fragt tatsächlich (nein, das ist keine Erfindung von uns), "Würde dies ernster genommen, wenn der Mann gestorben wäre?"
Für die Akten: Mr. McClellan gab zurück, "Natürlich würde es das." Wir hoffen, dass der 78-jährige Mr. Whittington sich rasch von seiner gestrigen Herzattacke erholt. Was das hauptstädtische Pressekorps angeht, so hat es einmal mehr das Ansehen gerechtfertigt, in dem es bei der Amerikanischen Öffentlichkeit steht."

1) H. Whittington ist ein wohlhabender Rechtsanwalt aus Austin, Texas.
2) Irv "Scooter" Libby war bis vor kurzem Stabschef des Vizepräsidenten
3) K. Rove ist Seniorberater des Präsidenten.
4) V. Plame war eine angeblich verdeckt arbeitende CIA-Agentin, deren Tarnung das Weiße Haus angeblich vorsätzlich auffliegen ließ, um damit angeblich Joe Wilson zu schaden, einem ehemaligen Botschafter der USA in Nigeria, der behauptet, der angebliche Uran-Deal Saddams mit Niger sei gar keiner gewesen. Angeblich.
16.2.06 21:34


 [eine Seite weiter]



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung